Aufsatz 
Die Schule und die Familie
Entstehung
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Punkte geht die Forderung keineswegs über die Grenze des Erreichbaren hinaus, aber freilich weit, weit hinaus über dasjenige Maß von Bekanntſchaft mit Schule, Lehrplan und Schulordnung, das ſehr häufig vorhanden iſt, und welches dem Bedürfniſſe leider nicht genügt.

Es iſt dabei freilich ein Üübelſtand im Spiele, der wohl immer beſtanden haben mag, aber in unſern Tagen und auch hier bei uns oft recht grell zu Tage tritt. Unſre Bildungsbeſtrebungen ſind nicht überall geſund, ſie haben vielmehr etwas von überreizung an ſich. Im Allgemeinen wird es keine gewagte Behauptung ſein, daß die Bildungsziele der Kinder nicht allzuhoch über den Bil⸗ dungsſtand der Familie hinausgehen ſollen: das Durchbrechen dieſer von den gegebenen Verhältniſſen gezogenen Schranken wird als ein Vorrecht geiſtlicher und ſittlicher Begabung gelten müſſen. Der Gunſt äußerer Verhältniſſe wird es ſelten ganz gelingen, ohne daß jene Gottesgabe des Talentes ſich hinzugeſelle. Dieſe Wahrheit droht gänzlich verloren zu gehn: wir leben in einem Bildungsdrange, welcher zur Erreichung eines richtigen Zieles falſche Wege einſchlägt. Das was wir höhere Bildung zu nennen pflegen, läßt ſich nicht dadurch in alle Lebenskreiſe verbreiten, daß man alle Kinder in höhere Schulen ſchickt. Es kommt dabei nicht nur das Maß der dem Kinde verliehenen geiſtigen Kraft mit in Betracht, ſondern auch das Bildungsniveau des Hauſes. Steht dieſes Niveau zu tief unter dem der Schule, ſo iſt eben kein rechter innerer Anſchluß möglich; es reicht zum Erſatz das vollſte Ver⸗ trauen nicht aus, ſobald durch geiſtige oder ſittliche Mängel des Kindes Schwierigkeiten entſtehen. Nicht bloß in Bezug auf die Fähigkeiten der Schüler, die oft für einen geſunden Elementarunterricht recht wohl ausreichen würden, während ſie für weitergehende complicierte Lehrpläne unzulänglich ſind, gilt das Wort: es wird deshalb zu wenig gelernt, weil zu viel gelehrt wird; es gilt auch in Bezug auf den zu großen Abſtand zwiſchem dem geiſtigen Leben des Hauſes und den Zielen und Aufgaben, an welche nun der Knabe geſtellt iſt, und welche wirklich zu erreichen, ein Zuſammenwirken von allen Punkten ſeiner Exiſtenz aus erforderlich iſt. Es iſt eine Hypertrophie in unſer Schulweſen einge⸗ drungen, welche der Geſundheit deſſelben ſchädlich iſt, und der wir durch eine Vereinfachung der Lehrpläne und durch eine anderweite Gliederung der Schularten begegnen müſſen. Freilich läßt ſich dieſes ſo intereſſante wie wichtige Kapitel nicht weiter verfolgen, ohne auf das andere von denBe⸗ rechtigungen zu kommen, die zwar ihre unverkennbaren Vortheile da haben, wo es gilt, Intereſſe für höhere Bildung zu wecken, aber auch den nicht zu unterſchätzenden Nachtheil mit ſich bringen, daß ſie da, wo jenes Intereſſe ſchon vorhanden und faſt zu lebendig iſt, die unſrer Zeit überall nahe liegende Überreizung beſchleunigen und mehren. Sollten aber nicht gerade dieſe eigenthümlichen Ver⸗ hältniſſe auf die Unterſtützung hinweiſen, welche das Erziehungswerk der Familie von der Schule, weit über die nächſte Thätigkeit der Schule hinaus, empfangen kann?

In der That könnte die Schule recht wohl ein treuer Rathgeber der Familie in der Erziehung der Kinder ſein, wie ſie in ihrer eignen Arbeit weſentlich gefördert werden würde durch jenen engen Zuſammenhang mit dem Hauſe, den dieſe Blätter unſerer hieſigen Schulgemeinde von neuem ans Herz zu legen beſtimmt ſind. Es gilt das in erſter Linie von dem pſychologiſchen Moment der Erziehung, bei welchem der Lehrer, trotz dem daß er das Kind nur kürzere Zeit vor Augen hat, vermöge ſeiner beruflichen Erfahrung ſchon im Vortheile iſt, wenigſtens ſein ſollte. Fehler in der Beurtheilung der Anlagen und Richtungen der Kinder macht doch verhältnißmäßig das Haus häufiger als die Schule, ſo wenig als dieſer das Irren erſpart bleibt. Jedenfalls aber würden beide weniger