Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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in die verkleinerte Geſtalt des Lebens der Erwachſenen ge⸗ kleidet wird? Kann dieſe Jugend auf ſolchem Wege wirklich frei werden? Sie kann es in der That nicht oder wird es, wenn nicht ein angeborener ſtarker Zug ſie zum Idealen hintreibt, nur nach ſchweren und harten Kämpfen, nach einer Ernte ſchmerzlicher Erfahrungen, die ihnen von der Liebe ihrer Erzieher oft erſpart werden könnten, wenn dieſe dem eignen Herzen zur rechten Zeit Beſchränkung und Vorſicht auferlegt hätten. Denn mit dem Eingewöhnen in allerlei Bedürfniſſe, mit dem Lenken des Sinnes auf Außerlichkeit und Schein, ſteht der andere Misſtand in enger Verbindung: das Verfrühen in der ganzen Lebensordnung der Jugend. Es iſt das ein gar verbreitetes Übel und der ſchlimmſten eines, weil es die Jugend nicht reicher macht, ſondern ärmer. Wer heut zu Tage in das Leben und Treiben der Jugend, namentlich in großen Städten und in den wohlhabenderen Kreiſen hineinblickt, der wird an die Jahre erinnert, denen bei lang dauerndem Winter im raſchen Umſchlag zum Sommer die ſchöne Frühlingszeit zu fehlen ſcheint. Und wie im Laufe des Jahres, ſo läßt ſich das auch im Leben des Menſchen nicht wieder erſetzen! Wer weiß, wie reich die Jugend in ſich ſelbſt iſt, wie jedes dieſer Frühlingsjahre eine faſt unerſchöpfliche Quelle ihm eigen⸗ thümlicher Freuden und Beſchäftigungen beſitzt, der wird wahrlich nicht in Verſuchung kommen, den Knaben voraus⸗ greifend in das Bereich des Jünglings, das Mädchen in das der Jungfrau, den Jüngling in die Sphäre des Mannes hinüberzuſetzen. Geſchieht das nicht täglich? Die Cigarren der zwölfjährigen Buben, die Bücher und Zeitſchriften, welche Kindern in die Hand gegeben werden, die Kinderbälle und Kindertheater, die Kaffe⸗ und Bierhäuſer und manches andere, was ſich nicht einmal hier ſchreiben läßt, das gibt beredte