Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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und Zweck, Neben⸗ und Hauptſache muß ſie ſtreng unter⸗ ſcheiden. Der Menſch, der nach Gottes Willen Herr der Erde ſein ſoll, kann nicht zugleich ihr Sklave ſein. Frei werden fme dieſer Seite hin: im richtigen Maße unabhängig werden von dem äußeren Leben; Freiheit iſt hier Bedürfnisloſigkeit, freilich nicht in dem Sinne des Diogenes, ſondern in dem Sinne, wie ihn der engere Lebenskreis des Einzelnen und die allgemeine Kulturſtufe leicht genug an die Hand gibt. Nun lehren uns freilich manche Nationalökonomen, daß gerade die Erweckung der Bedürfniſſe es ſei, welche den Fortſchritt in der Kulturentwickelung hervorrufe; ſogar in unſerer Waiſenerziehungsfrage iſt dieſe Anſicht geäußert worden. Ein Schulprogramm kann es nicht unternehmen wollen, auf dieſe intereſſante Streitfrage einzugehen, aber das kann es und darf es verſichern(und es wird auch zuſtimmende Nationalökonomen finden), daß es nie und nimmer eine pädagogiſche Wahrheit werden wird, die Erziehung müſſe äußerliche Bedürfniſſe zu erwecken ſuchen. Von innerlichen, geiſtigen Bedürfniſſen läßt ſich das wohl behaupten, und bei dem engen Zuſammenhange des Geiſtigen und Leib⸗ lichen wird die erhöhte geiſtige Bildung auf die Geſtaltung des äußeren Lebens von Einfluß ſein müſſen. Aber gerade weil ſo ſchon ein größeres Maß berechtigter Bedürfniſſe in Zeiten, wie die unſerigen ſind, gegeben iſt, gerade deshalb muß die Erziehung ernſtlich bedacht ſein, nicht zu der natür⸗ lichen Steigerung der Anſprüche eine künſtliche hinzuzufügen. Wie aber ſieht es in Wirklichkeit damit aus? Beginnt nicht ſchon in der Kinderſtube dieſe Steigerung der Bedürfniſſe durch eine wahre Flut von Spielzeug aller Art, in der die erzieheriſche Bedeutung dieſer erſten Beſchäftigungen des Kindes völlig verloren geht? Setzt ſie ſich nicht in dem weiteren Leben des Kindes überall fort, indem das Leben der Kleinen