Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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Wir durften freilich die mittlere Region unſerer geſellſchaft⸗ lichen Gliederung ausnehmen: in der That iſt hier die Er⸗ ziehung in der Familie und durch dieſelbe, unter Mitwirkung

Schule in ihren natürlichen Grenzen, noch nicht auf⸗ gegeben oder erdrückt unter Erſatzmitteln. Allein auch hier iſt es vielfach lange nicht ſo, wie es ſein ſollte und könnte. Und dann darf ja nicht überſehen werden, daß das, was wir Mittelſtand nennen, in einer Art von Kriſis ſteckt: er vermindert ſich durch das Streben nach oben und das Sinken nach unten. Wenn einmal die materiellen Kräfte und Ten⸗ denzen die Zeit beherrſchen, ſo muß ja bei allen denen, deren Thätigkeit in dieſes Bereich fällt, das Streben darauf ge⸗ richtet ſein, in der Reihe der Tonangebenden mitzuſtehen, ſie müſſen direkteſten Antheil an dem materiellen Auf⸗ ſchwung des Lebens haben wollen. Vielen gelingt das, andern glückt es nicht, und dieſe müſſen dann allmählich, aber ſicher unter die Linie ihrer bisherigen Exiſtenz herab⸗ ſinken. So dringen denn die Mängel der Erziehung, ſo dringt das Nichtkönnen und das Nichtwollen allmählich auch in die Sphären ein, wo ſonſt ein zwar beſcheidener, aber doch behaglicher Wohlſtand in einem mehr nach innen als nach außen gerichteten Familienleben die Sorge für das Gedeihen der Kinder zu einer Haupt⸗ und Lieblingsbeſchäfti⸗ gung des Hauſes gemacht hatte.

Wir können wohl ſagen, es iſt die Noth, und es iſt der Glanz des Lebens, was die heutige Erziehung beſonders beeinträchtigt, was ſie äußerlich erſchwert; aber das eigent⸗ liche, tief innerlich wirkende Moment iſt doch der Abfall vom Idealen. Würde die Richtung auf das Innerliche, auf das Geiſtige, auf das Höhere wieder vorherrſchend, käme Geiſt und Herz des Lebens, wenn wir uns ſo ausdrücken dürfen, gegen den Leib des Lebens wieder ins Gleich⸗