Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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Während hier alſo die äußere und innere Befähigung zu ſorgſamer und gedeihlicher Jugenderziehung fehlt, während der Arme oft nicht weiß, was er ſoll und wie er es ſoll, und eben ſo oft auch das nicht leiſten kann, was er wohl ſonſt zu leiſten im Stande wäre: fehlt es der entgegen⸗ geſetzten Sphäre, der der eigentlich Reichen, wohl nicht an einer gewiſſen Erkenntnis deſſen, was Noth thut; ſie er⸗ kennen die Erziehungsbedürftigkeit der Jugend wohl lebhaft an. Aber ſie wollen nur zu häufig dieſe Pflicht nicht ſelbſt erfüllen, oder ſie können es nicht: ſie ſuchen nach Hilfe und Erſatz für die Erziehung ihrer Kinder. Daher denn die auffällige Menge von Veranſtaltungen für Erziehung neben dem Mangel an echter Erziehung und neben der Klage über ungenügende Ergebniſſe derſelben. Dort iſt es das harte Gebot des Kampfes um das tägliche Brot, welches den Kindern die tägliche und ſorgliche Pflege von Vater und Mutter raubt: hier iſt es in der Regel das freiwillig anerkannte Gebot der ſocialen Pflichten, welches das Kind von der Amme an mit den mannigfachſten Veranſtaltungen zur Pflege und Erziehung umgibt, aber es von Vater und Mutter nicht viel weniger fern hält, als das Kind der Arbeiterfamilie. Dort Mangel an Mitteln, welcher dem Leben faſt alles überläßt, hier oft mit ſchweren Opfern er⸗ kaufter Überfluß an Kräften und Maßregeln; aber dort wie hier unzureichende Thätigkeit derer, denen allein die wahre und das Kind tief innerlich erfaſſende Erziehungskraft bei⸗ wohnt, der Eltern. Dieſer Verfall der Familienerziehung iſt ein charakteriſtiſches Moment unſrer Bildungszuſtände, und nirgends tritt er mehr an das Licht, als in der weiblichen Erziehung, wo trotzdem daß gerade auf dieſem Punkte die eindringlichſten Klagen wiederholt laut geworden ſind, bisher noch wenig Umſchwung wahrzunehmen geweſen.