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da nicht noch manches dunkel und unbeſtimmt? Muß nicht feſtgeſtellt werden, welcher Art denn jene Unabhängigkeit ſein müſſe, insbeſondere welche Einflüſſe und Schranken zu be⸗ ſeitigen ſeien? Wird die Unabhängigkeit und Selbſtändigkeit nicht gewiſſe aus der Natur des Menſchen und den Verhält⸗ niſſen des menſchlichen Lebens reſultierende Schranken aner⸗ kennen müſſen? Könnte nicht durch eine irrige Anſicht und verkehrte Behandlung der zu Erziehende, anſtatt zu der rechten Freiheit zu gelangen, vielmehr zu einer größeren und gefähr⸗ licheren Unfreiheit geleitet werden? Könnte nicht, was dem oberflächlicheren Blicke Feſſel und Hinderung ſchiene, für die tiefere Betrachtung ſich als Stütze und Halt für Individuum und Geſammtheit darſtellen? Müßte endlich jene Befreiung durch die Erziehung nicht eine methodiſche, ihrem Ziele ſich langſam nähernde, Hand in Hand mit der natürlichen Ent⸗ wickelung des Zöglings gehende und ſtets den Blick auf die Verhältniſſe des Lebens richtende ſein?
Knüpfen wir an die zuletzt geſtellte Forderung an, ſo ſcheint dieſer Blick auf das Leben vor allem zur größten Sorgfalt in der Erziehung zu mahnen. An äußeren und inneren Schwierigkeiten, an Gefahren iſt es reicher als das unſerer Väter und Großväter. Wie die ſich allmählich voll⸗ ziehende Entfeſſelung der Kräfte die bei der Zunahme der Bevölkerung und auch ſchon in Folge der natürlichen Ent⸗ wickelung wachſende Schwierigkeit des äußeren Fortkommens immer mehr ſteigert, ſo liegen in der einſeitigen Herrſchaft der materiellen Intereſſen, der ſich das Individuum nicht ganz entziehen kann, in dem ganzen Treiben unſrer Tage, man möge dazu ſonſt ſtehen wie man wolle, zweifellos gar mannigfache Gefährdungen des inneren Lebens. Das Be⸗ dürfnis nach geiſtiger, ſittlicher, beruflicher Tüchtigkeit tritt uns überall entgegen, überall aber auch die Mahnung, in einer


