Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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zelnen; jeder iſt eine durchaus eigenthümliche, im Bereiche der ganzen Menſchheit nie und nimmer ſich in volliger Identität wiederfindende Erſcheinung, und, was das Ver⸗ ſtändnis des Individuums zu einer faſt unerfüllbaren Auf⸗ gabe ſteigert, je tiefer wir in die Natur des Einzelnen ein⸗ dringen, deſto größer wird die Fülle der individuellen Momente. Die Aufgabe des Erziehers wird daher, wenn auch allgemeine Grundſätze und Geſichtspunkte zu Recht beſtehen, doch jedem einzelnen Zöglinge gegenüber eine neue und andere; der Schluß von der Natur des einen auf die des andern iſt in vielen Fällen unſtatthaft, und ſo ſind auch die Wege und Mittel der Erziehung gerade auf den wichtigſten Punkten, da wo die ſpecifiſchen Eigenthümlichkeiten des Individuums liegen, nothwendigerweiſe ganz und gar verſchiedene. Und da endlich die Erziehung es nicht mit einem Weſen zu thun hat, dem Geſtalt, Inhalt, Richtung nach Belieben gegeben werden kann, ſo bedarf nicht bloß die Art der Einwirkung der gewiſſenhafteſten Erwägung, ſondern auch das Maß derſelben.

Erziehung in dem rechten Sinne verlangt daher nicht bloß innere Befähigung dafür, ſie verlangt auch äußere Hin⸗ gabe: ſie kann nicht ſo nebenher beſorgt werden mit dem, was an Intereſſe, Zeit und Kraft etwa übrig bleibt. Werden doch ſelbſt dem Einſichtigſten, Gewiſſenhafteſten, Thätigſten gerade auf dem Gebiete der Erziehung mannigfache und be⸗ dauerliche Fehlgriffe nicht erſpart bleiben! Und wenn die Lebensgeſchichten aller Menſchen vor uns lägen, bis ins Kleinſte durchſichtig, wie unendlich oft würden wir in den dunkeln Stellen dieſer Geſchichten auf Erziehungsfehler zurück⸗ gewieſen werden! Wo es ſich um eine ſo ſchwierige Auf⸗ gabe handelt, da wird ſicherlich auch alles berückſichtigt werden müſſen, was ſie irgend erleichtert; wo ſo außer⸗ ordentlich ſchwer volles Verſtändnis der Individualität des