Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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aller, die irgendwie freier und weiter in das Leben hinein⸗ blicken dürfen.

Der Misſtand, der dabei zuerſt in die Augen fällt, iſt eben kein andrer als der oben ſchon erwähnte: daß bei dem Drängen nach Befriedigung der geiſtigen Bedürfniſſe der Jugend in unſrer Zeit das Wiſſen oder noch beſtimmter geſagt, das Erwerben nützlicher Kenntniſſe und Fertigkeiten zu ſehr bevorzugt wird. Dieſes verkehrte Verfahren mußte oben zur Sprache kommen, inſofern es nicht einmal das einſeitig geſteckte Ziel wirklich und voll erreicht: hier tritt es uns als ein Mangel in der Erziehung entgegen. Dieſe kommt dabei zu kurz, es wird ihr verhältnißmäßig zu wenig wahre Fürſorge und eigene Kraft gewidmet, und dieſe äußer⸗ liche Zurückſetzung läßt mit Nothwendigkeit auf allerlei innere Urſachen und Motivoe ſchließen.

Es verſteht ſich von ſelbſt, daß ſolche Behauptungen nicht für alle und alles gelten; ſie können nur relative, durchſchnittlich zutreffende Wahrheiten ſein wollen. Darauf aber kann wohl jene Klage Anſpruch machen; wer in das Leben hineinblickt, wird ſich dagegen nicht verſchließen können. Die zahlreichen Klagen über zunehmende Oberflächlichkeit des ganzen geiſtigen und ſittlichen Weſens, gewiß nicht bei allen, aber ſicher bei vielen, die ſind nicht aus der Luft gegriffen, möogen ſie immerhin da und dort ſich zu übertreibungen ver⸗ ſteigen. Wie weit der Kultus des materiellen Lebens ge⸗ diehen iſt, das zeigt jeder Gang über die Straße, jeder Einblick in das moderne häusliche und geſellſchaftliche Leben. Einfachheit, Anſpruchsloſigkeit, Gemüthlichkeit im guten Sinne des Wortes entſchwinden mehr und mehr aus dem Leben, namentlich der größeren Städte. Die Verhältniſſe ſind that⸗ ſächlich ſo übermäßig gereizt und geſpannt, daß nicht abzu⸗ ſehen iſt, was daraus ſchließlich anderes entſtehen ſoll als