Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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heiten noch gar viele gibt, daß das Kapital an äußeren und inneren Mitteln, welches für die Bildung der Jugend arbeitet, einmal noch lange nicht groß genug iſt und zweitens kaum den billigerweiſe zu erwartenden Gewinn abwirft. Beſtände keine erhebliche Differenz zwiſchen Forderung und Leiſtung, ſo wäre ja die Erziehungs⸗ und Schulreformbewegung nicht berechtigt und hätte zum wenigſten ſich mit geringeren Dimen⸗ ſionen zu begnügen. Diejenigen, welche dieſe Beſtrebungen als bloße Parteiagitation ausgeben und von den eingreifenderen Umgeſtaltungen nichts wiſſen wollen, hätten dann nicht ganz Unrecht..

Die Klagen und Bedenken, welche hie und da laut werden, laſſen ſich etwa unter folgenden Geſichtspunkten kurz zuſammenfaſſen; von Anſichten, welche ſich auf den erſten Blick als Produkte des Parteiweſens und ſeiner Tendenzen erkennen laſſen, dürfen wir dabei wohl abſehen. Die Bildung unſrer Zeit, ſagt man, ſtrebe mehr nach Breite als nach Tiefe; man ſuche mehr ein vielartiges oberflächliches Wiſſen, als gründliches, Kraft entwickelndes Wiſſen; mehr den Schein, als das Weſen der Bildung; durch das Überſchätzen des intellectuellen Bildungsmomentes werde das ſittlich⸗religiöſe benachtheiligt; durch den Verfall der eigentlichen Erziehung werde die Bildung tüchtiger Charak⸗ tere gehemmt; trotz der geſteigerten Fürſorge für die Bildung der Jugend nehme auf vielen Lebensgebieten die Tüchtig⸗ keit des Nachwuchſes wenn nicht geradezu ab, ſo doch min⸗ deſtens nicht in dem gewünſchten Grade zu. Kein Lebens⸗, kein Schulgebiet bleibt von dieſen Bedenken verſchont: ſie berühren die Wirkſamkeit der Univerſität ſo gut wie die der Volksſchule. Und allerdings, ſo ungern man ſolche Zuge⸗ ſtändniſſe macht, die eignen Wahrnehmungen müſſen jedem der Sache Naheſtehenden Material genug an die Hand geben,