Aufsatz 
Zur Lage des Unterrichts- und Erziehungswesens
Entstehung
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zu auffälliger Weiſe, ſie bewegen ſich geradezu in Extremen. Lob und Tadel, Verherrlichung und Verwerfung wechſeln in einer Weiſe aus, daß der, welcher ſolche Kundgebungen, auch wenn er ſie nicht gleich unter die unklare Rubrik der offentlichen Meinung bringen will, zu ſeiner Belehrung benutzen möchte, in der That in einige Verlegenheit geräth. Heute iſt zu hören oder zu leſen, wie weit wir Deutſche es in der Volksbildung gegen die Franzoſen, Engländer, Italiener gebracht: morgen ſollen wir von den Ruſſen und Japaneſen lernen. Heute rühmt ſich der Staat oder die Stadt, daß ihr Schulweſen mit obenanſtehe im großen deutſchen Vater⸗ lande: morgen wird von den Kammern oder von der Ge⸗ meindevertretung eine totale Reform des Schulweſens als das dringendſte Bedürfnis bezeichnet. Auch in unſerem lieben Frankfurt haben wir es erlebt, daß in demſelben Blatte, welches kurz vorher in aller Behaglichkeit die Vortrefflichkeit unſeres Bildungsweſens gerühmt hatte, zur Abkühlung der Betheiligten unſre hieſigen Schulzuſtände als erbärmliche be⸗ zeichnet wurden.

Wer hat nun Recht? Vermuthlich keiner von beiden, wenn alles wörtlich genommen werden ſoll, worauf übrigens die heutige Behandlungsweiſe unſrer theuern Mutterſprache bekanntlich nicht Anſpruch macht. Ziehen wir aber zur Er⸗ mittelung des Thatbeſtandes auch die Anſichten und Urtheile der Berufsgenoſſen zu, geſtatten wir auch eigenen Erfahrungen den Zutritt, ſo ergibt ſich, daß die Wahrheit etwa in der Mitte liegt; auf einzelnen Punkten mag die Anerkennung des Fortſchrittes berechtigt, auf andern Klage und Bedenken wohlbegründet ſein.

Haben wir es gilt das nicht bloß für Frankfurt Urſache, mit den Leiſtungen des Unterrichts⸗ und Erziehungs⸗ weſens zufrieden zu ſein? Wie ſteht es mit dem reellen