Aufsatz 
Zur Schulreformfrage
Entstehung
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Schule wohl noch beſteht und wohl ſogar befeſtigter beſteht, ſo gilt dies weniger von der Beziehung des Staates zur Schule. Hier tritt dem aufmerkſamen Beobachter ein merk⸗ licher und jedenfalls heilſamer Umſchwung entgegen. Die Zahl derer, welche von jener unbedingten und unmittelbaren Uebernahme der Schule durch den Staat ein goldnes Zeitalter des Unterrichtsweſens erwarten, hat abgenommen und wird ſicherlich bei ruhiger Erwägung der Dinge noch weiter ab⸗ nehmen.

Nicht als ob wir an ein völlig entgegengeſetztes Ver⸗ hältnis als das anzuſtrebende denken ſollten. Auf eine ſolche Ordnung der Dinge, in welcher die geſammte Fürſorge für die Jugendbildung der freien Thätigkeit der Gemeinden, eigens zu dieſem Zwecke ſich bildender Genoſſenſchaften oder der einzelnen Individnen überlaſſen bliebe, der Staat nur die Rolle des helfenden Freundes übernähme, kann vielleicht und auch hier nur vielleicht bei neu entſtehenden Staats⸗ gemeinſchaften ſich das Abſehen richten: für uns ſcheint das außer dem Bereiche der Möglichkeit zu liegen. Bei uns in Deutſchland iſt die Geſchichte des Schulweſens bisher eine Geſchichte der wachſenden Beziehung des Staates zu dem⸗ ſelben geweſen; und da, wo der Staat ſich weniger desſelben annahm, war es die andere große Gemeinſchaft, die der Kirche, welche das Unterrichtsweſen in die Hand zu nehmen trachtete. Und in der That, ſo ſehr auch unſer angeſtamm⸗ ter Sinn und unſere Geſchichte uns das Feld der Erziehung im engeren Sinne als ein unveräußerliches Beſitzthum der Familie betrachten läßt, ſo wenig können wir die Für⸗ ſorge für denjenigen Theil der Erziehung, welcher durch das Mittel des Unterrichts vollzogen wird, ausſchließlich der Fa⸗ milie anheimgeben. Für die eigentliche Erziehung ſollen die Kräfte der engſten Gemeinſchaft die zunächſt und unmittelbar