Aufsatz 
Kritische und erklärende Bemerkungen zu Sophokles' Aias / R. Paehler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

setzt, ist unnõtig. geαανεέων ‚schwarz gefärbt ist gleich uâαναeν und bezeichnet die dunkelrote Farbe des Blutes überhaupt(vergl. Ilias IV 140 und 149, V 354), nicht etwa des durch die Galle dunkelgefärbten(Seyffert) oder des geronnenen(Ellendt) Blutes. oiæeias oασ(= Gτ‿νον οσφραρν⁴β Giæᷣεᷣ& Tepοs, vergl. Antig. 1176) ist mit pvααννπασς zu verbinden, nicht(wie Bellermann, Wecklein u. a. wollen) mit e⁴ανeν Das sprachlich Ungewöhnliche, welches diese Ausdrücke bieten, läſst sich durch ähnliche Beispiele hinreichend belegen. Was aber dieungehörige Schilderung des Aussehens der Leiche anlangt, so würden aus gleichem Grunde viele Stellen antiker und moderner Dichter angefochten werden können.

Kehren wir nun zu Vers 1411 f. zurück, so steht in den Worten nichts vonheifsen Strahlen schwarzen Blutes, von denen Nauck redet. Der Dichter sagt von den Adern(ανρέσꝙπεο, daſs sie noch warm seien und dunkles Geblüt(uεᷣνοσ Lebenskraft, metonymisch Blut, wie bei Aischyl. Agam. 1067) nach oben(dνα) ausströmen lassen. Nauck deutet dvν durch ‚aus Nase und Mund, aber hier ist . das 918 sich findende νονπςαᷣ ενααα ßnicht hinzugesetzt und nur die noch blutende Wunde in der Brust gemeint. Der Leichnam des Helden liegt, seitdem Teukros ihn aus dem Schwerte gehoben hat(V. 1024), auf dem Rücken. Die παυνεισνπκα senden das Blut aus der Tiefe des Körpers nach oben, d. i. an die Luft. Dafs dies in ästhetischer Hinsicht nicht zu rechtfertigen sei, vermag ich nicht einzuräumen, da die Alten in solchen Dingen nicht so feinfühlig waren und selbst in modernen Tragödien ähnliche Schilderungen vorkommen. Etwas anders steht die Frage, ob die Sache in naturgeschichtlicher Beziehung richtig ist. Indes nehmen wir einmal an, es sei nicht der Fall, wäre das wirklich ein Grund, die Worte für unecht zu erklären? Zu der oben besprochenen Antigonestelle bemerkt Nauck:Dafs die Dirke im Westen der Stadt flielst, ist für den Zusammenhang unserer Stelle gleichgültig. Er durfte für die Aias- verse ein ähnliches Urteil fällen. Welcher Zuschauer würde bei den das Gemüt so tief erschütternden Vor- gängen der Schluſsscene sich mit dem Gedanken beschäftigt haben, daſs etwa ein Mediziner gegen die Möglichkeit des Fortblutens der Wunde Widerspruch einlegen könne? Im Nibelungenliede öffnen sich Siegfrieds Wunden lange nach dem Tode von neuem, da Hagen an ihn herantritt. Dies Beispiel ist aller- dings nicht völlig gleichartig, weil wir es da mit einem Volksaberglauben zu thun haben, in welchem sich die Vorstellung von den fortdauernden ethischen Beziehungen zwischen dem Mörder und seinem Opfer wiederspiegelt. Allein so viel geht doch aus der Sage hervor, dals wenigstens nach dem allgemeinen Glauben des Mittelalters selbst geraume Zeit nach dem Sterben das Blut eines Getöteten noch fliefsen kann. Sollte die Denkweise des Altertums von der entgegengesetzten Annahme ausgegangen sein? Zu- dem ist zu erwägen, dals auch die naturgeschichtliche Frage keineswegs so einfach liegt, da in Wirklich- keit der Beginn des Erstarrens ja nicht bei allen Ermordeten gleich früh eintritt. ISt die Lunge getroffen, so wird das Blut viel länger fliefsen können, als wenn die Todeswunde an anderer Stelle empfangen wurde. Und der Leichnam eines in der Vollkraft des Lebens plötzlich dahingeschiedenen riesenstarken Mannes erkaltet gewils nicht so schnell wie ein anderer, ganz abgesehen davon, dals auch die Wärme der Jahres- zeit mit in Betracht kommen kann. Daher brauchen wir kaum Anstols daran zu nehmen. daſs ungefähr eine Stunde nach dem Tode des Helden die upeyyes noch als Sepuαt bezeichnet werden. Als ich im

wird das Verbum xl³*jogeνν verwendet; es steht hier wie oftmals für ‚verwunden Auf welche Art die Verwundung stattfindet, ist nebensächlich; Deianeira bringt sich die Todeswunde bei, indem sie sich das Schwert in die Brust stöſst(Trachin. 931: 2εννέ⁶̈αησ mπια εα φοενα aεeνs u v), Aias dadurch, dafs er sich dasselbe mit einem Sprunge hineinbohrt. Beides konnte ein alοo genannt werden. Demgemäfs durfte aA,u in der Bedeutung Verwundung' und mit dichterischer Freiheit geradezu für das konkrete ‚Wunde gebraucht werden. In Aischylos Eumeniden(V. 103) nennt der aus der Unterwelt emporgestiegene Schatten der Klytaimnestra in den an den Chor gerichteten Worten ö0 ε πανmπτέι τ‿ςε 2ςd ε ενεων seine äufserlich sichtbaren Wunden IISp dAg. Es ist merkwürdig, dafs Wecklein hieran keinen Anstoſs nimmt, da er im Kommentar seiner Ausgabe(1888) erklärt: Man sieht an ihrem Halse die Wunde, die ihr ehemals der Sohn geschlagen hat. Auch das Wort zl* findet sich in ähnlicher Weise.