Aufsatz 
Kritische und erklärende Bemerkungen zu Sophokles' Aias / R. Paehler
Entstehung
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Erzielung dieser Eigenschaft besonders die Ursache war? so hätte er in seinem Interesse besser gethan, diese Bemerkung zu unterlassen. Merkt er denn nicht, dals er mit seiner Ausführung der eigenen Annahme direkt widerspricht, da er sich ja der Ansicht des Scholiasten angeschlossen hat, die 8a†ρ habe das Eisen weich und geschmeidig gemacht? Sollte er vielleicht glauben, dals man einem Schwerte aus weichem und geschmeidigem Eisen eine vorzüglicheSchärfe und Widerstandsfähigkeit geben könne, so mag eine andere Stelle unseres Dichters ihn belehren.

Die Scholien zu Euripides' Orestes überliefern uns(zu V. 480) folgende Verse des Sophokles:

69 ν☚ εέοoντοο οh ααειαάκν ευοπ ν ει ενπκσαέα ν ⁴eφ ν Aνμ μν νενπαια.(Dindorf, fragm. 761.)

Die Erklärung dieser Worte bietet freilich besondere Schwierigkeiten; sie sind schwerlich unver- derbt. Abgesehen von dem Hiatus zwischen Süper und v, den Matthiae darch Umwandlung von ey in d⁵y zu beseitigen suchte, giebt das ey xeiot Sier keinen vernünftigen Sinn. Brunck will für Sü†et Sner= Süfera Setzen, Ribbeck empfiehlt ·ort statt xeui, Hartung liest für&y Iεαοαν ν ειν: νο α Ser' und übersetzt:Des Greises Zorn wird, einer weichen Schneide gleich des Messers, scharf, im Augenblicke wieder stumpf. Keiner von diesen Vorschlägen befriedigt, ebensowenig Matthiaes Erklärung, daſs Si* e= Srerα sei, doch ist der Sinn des ganzen Satzes nicht zweifelhaft. Der Dichter will sagen: Mit dem Zorne eines Greises verhält es sich wie mit einer αανοαασ☚ νππα, die sehr leicht zu schärfen ist, aber auch rasch wieder stumpf wird. Unter zonis verstanden die Griechen ein Schlacht- messer oder ein Schlachtbeil, auch einen kurzen Säbel; durch ½α¶νανκνν aber wird ausgedrückt, dals die zom-ic aus weichem, d. i. nicht durch die 3a† gehärtetem ναο pbesteht. Eine solche zowic ist in Wirklichkeit mit leichter Mühe scharf zu machen, aber sie besitzt keine Widerstandsfähigkeit, sie verliert bald die Schärfe wieder.(Vergl. meine Bemerkungen zu Polybios II, 33 in Fleckeisens Jahrbb. 1887 S. 174.) Haben nun auch die Worte y e Säre ihre Heilung noch nicht gefunden, so genügt doch für unseren Zweck schon der Gedanke αeν orts dy raeer νααννεrα, gegen dessen Wortlaut kein Bedenken vorliegt. Es ist interessant, hiermit die Erklärung der Scholien zur Aiasstelle zu ver- gleichen, welche behaupten, der οννπσοοσ werde uανα,ισαας durch das ölbad. Da nach Sophokles eine aus uα⁵.‿ιαάνς οεdοννσοοι bestehende zont« keine widerstandsfähige Schärfe hat, so wird Schlenger, wenn er den Scholien zustimmt und dabei behauptet, die vorzügliche Widerstandsfähigkeit und Schärfe der Schwerter sei durch das õlbad bewirkt worden, durch den Dichter selbst widerlegt.

Schlenger meint sodann frischweg, dals nicht blols bei den tenuiora ferramenta des Plinius das Ölbad angewendet sei, sondern auch bei gröſfseren und stärkeren Eisen- und Stahlwerkzeugen, insbesondere bei den vorzüglicheren Schneid- und Hiebwerkzeugen, bei Messern, Dolchen, Schwertern. Einen Beweis dafür hat er nicht beizubringen vermocht, da Plutarchs Ausdruck τ ⁴αοQꝛ1I" 0» 40νν. auf den er sich stützt, in dem Zusammenhange, in welchem er steht, einen ganz anderen Sinn bietet (. oben S. 9). Er wirft jetzt abermals die Frage auf:Was ist nun also die eigentlich, und worin bestand das bei ihr angewendete Verfahren? Hierauf teilt er die Erklärung mit, die Bellermann in der vierten Auflage der Wolffschen Aiasausgabe giebt:Glühender Stahl wird durch Eintauchen stets härter, das ist unwiderleglich, anders aber ist es bei mäſsig erwärmtem Stahl. Das sogenannte Anlassen ist das Mittel, den zu spröden Stahl zu erweichen, und dies Anlassen besteht in mäſsigem Erhitzen und Eintauchen. Das ganze Verfahren des Anlassens wird vom Dichter durch 8a†œ[πσ bezeichnet, weil das Eintauchen ein wesentlicher und unentbehrlicher Teil desselben ist. Ich habe diese Auslegung in Fleckeisens Jahrbb. 1887 S. 186 194 als unmöglich nachgewiesen, und zwar aus folgenden Gründen:

1) Wenn die griechischen Schriftsteller bei der Erwähnung des Härtens in der Zusammenstellung von Sdπσ bezw. 8a† und οενισοο das Glühendsein nicht hervorzuheben brauchten, weil dies als selbst-