Aufsatz 
Kritische und erklärende Bemerkungen zu Sophokles' Aias / R. Paehler
Entstehung
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verständlich von jedem ergänzt wurde, so hätte dagegen Sophokles, wollte er vom Anlassen reden, den ganz wesentlichen, aber unmöglich von selbst hinzuzudenkenden Zusatzmässig erwärmt nicht auslassen dürfen.

2) Das Eintauchen war weder ein unentbehrlicher noch ein wesentlicher Teil des Verfahrens. Die Erweichung wird, wie durch Proben technisch festgestellt ist, lediglich durch das Anwärmen bewirkt(also Sabyn, nicht 8†ρσ). Das besagt auch unser Wortanlassen(= die Hitze an das Metall lassen) und noch deutlicher das französische recuire. Das Eintauchen dient in dem Falle, dals es überhaupt¹) angewandt wird, ausschliefslich dazu, die Operation rasch zu beenden und unter Umständen eine weiter fortschreitende Erweichung zu hindern.

3) Von der Bedeutung des Anlassens wuſsten jedenfalls nur die Eisentechniker etwas. Die Zu- hörer des Dichters hätten seinen Vergleich gar nicht verstanden; heute würde das kaum anders sein. Hierzu kommt,

4) dals der nach dem allgemeinen Sprachgebrauche feststehende Sinn des Ausdrucks 8ρρέ G☚ο die Deutung nicht zulälst, worüber unten das Nähere folgen wird.

Ich glaubte über meine Ablehnung der Bellermannschen Erklärung am angegebenen Orte keine Zweifel gelassen zu haben, muſste aber zu meinem Erstaunen ersehen, dals ich mich geirrt hatte. Schlenger schreibt nämlich:Paehler verhält sich(Neue Jahrbb. 1887 S. 186) nicht ablehnend gegenüber dieser Auffassung der 8, zieht vielmehr daraus für den Fall ihrer Richtigkeit wichtige Schlüsse für die Bedeutung des Homerischen zναemνον. Nun habe ich wörtlich Folgendes gesagt: Dürfte diese(Bellermanns) Auffassung angenommen werden, so würde die Aiasstelle noch an Wichtigkeit für die Geschichte der antiken Metallurgie gewinnen: denn wir hätten damit einen locus classicus, aus dem wir erweisen könnten, was bisher nur vermutet worden, dals die Alten die Kunst des Anlassens des Stahles verstanden haben.... Insbesondere würden wir für die Erklärung einiger Homerstellen und speziell für die Frage, was bei Homer zæνᷣαeνοσ bezeichnet, einen neuen Anhalts- punkt gewinnen. Dann habe ich unter eingehender Besprechung der betreffenden Stellen untersucht, ob zıαmνοα als blau angelaufener Stahl aufzufassen sei, wobei ich zu dem Resultate kam, dals trotz der abweichenden Ansicht von Lepsius und Helbig wenigstens für die Ilias der zνᷣαννσοο als Blaustahl zu halten sei und dals gute Gründe für die Annahme sprechen, nach welcher den Alten das Anlassen des Stahles bekannt gewesen ist. Hieran schloſs ich den Satz:Indem ich nunmehr zu der Untersuchung übergehe, ob das 8aαo†ρ ◻½πυηανιννν des Sophokles nach der Bellermannschen Erklärung ein neues Argument in dieser Richtung abzugeben vermöge, mufs ich das leider verneinen; denn ich kann die Deutung nicht als zutreffend anerkennen. Ich überlasse es dem unbefangenen Leser zu entscheiden, ob in diesen Worten eine, wie Schlenger nachher sich ausdrückt,allerdings noch etwas zweifelhafte Zustimmung zu Bellermanns Erklärung liegt, und ob mein verehrter Gegner den die Auseinandersetzung beginnenden irrealen Bedingungssatz richtig verstanden und wiedergegeben hat.

Schlenger bemerkt von Bellermanns Auffassung, sie sei bisher bei mehr oder minder klarem(?) Ver- ständnisse der Sache die allgemeine(?) gewesen; er pflichtet ihr bei und bedauert nur, dalſs B. zwei schon bei Wolff zu findende Umstände nicht beachtet habe, die bei dem ganzen Verfahren von Ausschlag gebender Bedeutung seien, nämlich einmal das 61bad und dann noch der Zusatz: in siedendem Ö1. Wenn Bellermann hierauf keine Rücksicht genommen hat, so bestimmte ihn(s. oben S. 4) dazu der Grund, dafs von Ö1 an unserer Stelle überhaupt nicht die Rede ist, und bezüglich des siedenden Öles auch die von mir(Progr. 1885, S. 9. Anm. 1) mitgeteilte Thatsache, daſs selbst dieses den glühenden Stahl nicht erweicht, sondern härtet. Prof. Schlenger falst die Sache freilich anders auf. Er entwickelt im Folgenden

¹) Gewöhnlich geschieht das Abkühlen des angelassenen Stahles an freier Luft. Wedding, Ausführl. Handbuch der Eisenhüttenkunde III S. 898.

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