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einen Augenblick den Sprachgebrauch, wie er uns bezüglich des Eintauchens der glühenden Bronze entgegen tritt. Bekanntlich haben schon alte Schriftsteller geglaubt, ihre Vorfahren hätten eine später verloren gegangene Kunst gekannt, die Bronze zu härten. In neuerer Zeit ist über diese Frage ein lebhafter Streit durchgefochten worden, nachdem Graf Caylus behauptet hatte, diese Kunst sei wieder auf- gefunden. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, die stattgefundenen Erörterungen ¹) zu besprechen. Nur soviel muſs ich zum Verständnis des Folgenden bemerken, dafs die Annahme alter Kommentatoren, man habe durch Eintauchen der glühenden Bronze in eine Flüssigkeit die Bronze zu härten vermocht, durchaus zu verwerfen ist. Wenn man nämlich Bronze(deren Zinngehalt weniger als 30% beträgt) glühend macht und dann in Wasser ablöscht, so wird sie so weich, dafs man sie ganz leicht verarbeiten kann, während sie hart wird, wenn sie in glühendem Zustande langsam an der Luft erkaltet. Sie verhält sich demnach in beiden Beziehungen gerade umgekehrt wie der Stahl, so zwar, dals an unserer KAiasstelle das Wort 3acpſ neinen ganz richtigen Sinn geben würde, wenn ½α οw⁰w vV statt ανeσοσ folgte. Ver- mutlich haben nun die Schriftsteller, welche von der Härtung der Bronze durch Ablöschen reden, in ihrer Unkenntnis der Sache dasjenige, was von der 8a†ρμ σισπςσν gilt, auch auf die 8ορςρ ᷑/ꝛο übertragen. Es lälst sich ferner annehmen, dals sie die Löschung, die bei der Bearbeitung der Bronze angewendet werden mochte, bezüglich ihrer Wirkung unrichtig deuteten. Die Härte der antiken Bronze ist, wie Beck in seinem Buche„Die Geschichte des Eisens“ S. 40 ff. ausführt, durch die Legierung und die Hämmerung bewirkt worden. Beim Hämmern aber mulste der Schmied sein Metall zur rechten Zeit, um weiter arbeiten zu können, durch Abschrecken wieder erweichen, worauf dann die fortgesetzte Hämmerung den gewünschten Grad von Dichtigkeit und Härte erzielte. So lag für einen der Technik Unkundigen der Irrtum nahe, dals die Härtung der Erfolg des Eintauchens sei. Betrachten wir nun einige Stellen, in denen die Löschung der Bronze erwähnt wird. Pausanias berichtet uns(II. 3, 3.), dals die wegen ihrer
Vorzüglichkeit berühmten korinthischen Bronzen in dem Wasser der Quelle Peirene gelöscht worden seien:
r KoOPενινιοQĩõW.!1 4ALrdy Jdn, gOv 2A! eD„ dναα d ευνσαάσααοα rοννπον dνπνπα—E»àνοdπzu Wenn hier der Zustand des Glühens ausdrücklich bezeichnet ist, so wird das an anderen Stellen unterlassen, und zwar aus dem Grunde, weil jeder Leser sich das απσάονα Seερρμν νας von selbst dazu dachte. So sagt Proklos in seinem Kommentar zu Hesiods opera et dies 142: e9 TIv T6y nAov l‿emασιανενοπννν Jεꝓ‿ι8ν νκα τ 2αρ τπρς τοπνστιο εꝓνννππαο ςιmτ̈ σ⁸ονιασ rr0 ενρόο d εα ταινιοσ 8 ‿☚ς τ„ aλυλυκιsοσσειςσςροσQoΤĭ ᷑, dyra Ptoe Haααα 6ν. Und Eustathius behauptet zu Ilias III, 336, S. 421, 13: ⁵ 7⁴ο ̈ α ᷣ Baτιεινος εσοωονιντ τπιο oσ α. Vergl. auch Eustath. zu Ilias I, 236, S. 93: dnnirανᷣ(sc. 7aνσς)&ls Gινσν% εαν εd πme ro. Tzetzes ferner erklärt zu Hes. opp. et dd. 142: Zaακ τν πασιν νάα dnμος τ Sicpeο ναmœά-Bsoνουα εᷣορμαeiος mέ⁊νμνναο, 8 ̃s Tlre rAð ‿α σmσ( ο‿νοαε*ς.
Hiermit wird es wohl der Belege genug sein. UÜbrigens konnte Herr Schlenger schon aus Stellen, die ich früher mitgeteilt habe, bei sorgfältiger Prüfung entnehmen, dafs, wo vom Eintauchen des Eisens schlechthin die Rede ist, nur glühendes, nicht erkaltetes Eisen gemeint ist. Ich habe es nicht für nötig gehalten, dies damals ausdrücklich hervorzuheben, weil ich ein Miſsverständnis nach dieser Richtung hin nicht voraussetzen konnte. Ganz unverständlich ist mir aber, wie Schlenger zu der Kuſserung kommt:„Sowie Paehler selbst —iο⁹ einfach als Eisen, d. h. ausgeschmolzenes Eisen auffaſst, jedenfalls doch nicht blofs darum, um es in der Sauvyn glühend machen oder erweichen zu können(!)), sondern weil eben Gεο⁶νι⁹ς nichts anderes heilst, so haben auch sie(die groſse Zahl der Herausgeber und Erklärer) einfach Eisen, nicht aber glühendes Eisen verstanden“. Es ist richtig, dals idννο an und für sich Eisen(und Stähl) in verschiedenem Zustande(sowohl dem kalten wie dem erwärmten) bedeuten konnte, jedoch in der Ver-
¹) Eine knappe Übersicht über dieselben findet sich bei Blümner Technologie und Terminologie IV. 333—337.


