Lur Geſchichte des alten Gumnaſtums zu Ilontabaur.
Darch die Gründung des Progymnaſiums hat die Stadt Montabaur im Herbſte 1868 den Anfang gemacht, ein Gut wiederzuerringen, welches ihr höchſt beklagenswerther Weiſe im Jahre 1817 entzogen ward. Ein wie harter Schlag die Aufhebung des früheren Gymnaſiums für die hieſige Stadt und Umgegend geweſen, iſt von der ganzen Bevölkerung zu allen Zeiten ſchmerzlich empfunden worden. Es war eine ſchwere Schädigung der geiſtigen und materiellen Intereſſen der Gemeinde. Bildung und Wohlſtand der Stadt ſind ſeitdem nachweislich für eine Reihe von Jahren erheblich zurückgegangen. Jetzt wo das Verlorene wiedererſtrebt wird, wo das Alte in neuer Geſtalt wiederaufzuleben beginnt, erinnert man ſich lebhaft und gern des einſtigen werthvollen Beſitzes.
Einem mehrfach geäußerten Wunſche, ich möchte mit dem erſten Jahresberichte über das Progymnaſium zugleich eine Geſchichte des alten Gymnasium Montaborinum erſcheinen laſſen, war ich um ſo eher zu willfahren bereit, als dadurch der Miniſterial⸗Verfügung vom 17. Januar 1866 Genüge geſchieht, nach welcher die den Schulnachrichten vorauszuſchickende Abhandlung einen Gegenſtand betreffen ſoll, der ein allgemeines Intereſſe in Anſpruch nimmt.
Was die Quellen angeht, aus denen die folgenden Nachrichten geſchöpft ſind, ſo fand ich in hieſiger Stadt trotz eifriger Nachforſchungen nur wenig Material von Bedeutung. Dagegen war es mir durch die hohe Gewogenheit Sr. Excellenz des Herrn Oberpräſidenten von Möller vergönnt, die auf das ehemalige Gymnaſium bezüglichen Akten des Königl. Staatsarchivs zu Idſtein zu benutzen. Dieſen Papieren ſind im Weſentlichen die nachſtehenden Mittheilungen ent⸗ nommen. Eine zuſammenhängende Geſchichte des Gymnaſiums bieten ſie wegen der Unvollſtändig⸗ keit jener Akten nicht; und auf die Nachſicht des freundlichen Leſers müſſen ſie rechnen, da mir die Einſicht in die betreffenden Archivalien erſt in der letzten Zeit auf wenige Wochen zuſtand. Nichtsdeſtoweniger glaubte ich meinen Mitbürgern den Inhalt dieſer Blätter nicht vorenthalten zu dürfen. Vielleicht liefert derſelbe auch einen kleinen Beitrag zur Geſchichte des deutſchen höheren Schulweſens aus dem Anfange dieſes Jahrhunderts.
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