Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
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ſchaft kein leerer Wahn ſei. Und in Schiller ſtellt ſich dem Jüngling das Muſterbild eines Freundes dar, ſo rein und erhaben, wie es wenige gibt. Der Sinn für Freundſchaft war ſchon von früheſter Jugend auf in ihm lebendig und ward beſtändig genährt und bewährt; zur höchſten ſittlichen Vollkommenheit entwickelt aber zeigt er ſich in ſeiner Freundſchaft mit Göthe, einer Erſcheinung, welche in der Ge⸗ ſchichte unſerer Literatur und vielleicht der aller Völker einzig daſteht und wohl noch lange uner⸗ reicht daſtehen wird.

Es gehört nicht zu meiner Aufgabe, die Ge⸗ ſchichte dieſer Freundſchaft oder ihre für unſere Literatur ſo überaus bedeutenden Wirkungen weiter auseinanderzuſetzen. Ich habe hier nur kurz auf ihr Weſen hinzuweiſen, und dieß geſchieht wohl am angemeſſenſten und ſicherſten mit den Worten der Freunde ſelbſt.Mein Verhältniß zu Schiller ſo ſchreibt Göthe(Bd. 49, S. 95) grün⸗ dete ſich auf die entſchiedene Richtung beider auf einen Zweck, unſere gemeinſame Thätigkeit auf die Verſchiedenheit der Mittel, wodurch wir jenen zu erreichen ſtrebten. So erfüllte dieſes Ver⸗ hältniß ganz, was Göthen als die Grundbedingung der wahren Freundſchaft überhaupt galt.Freund⸗ ſchaft kann ſich bloß praktiſch erzeugen, praktiſch Dauer gewinnen. Neigung, ja ſogar Liebe, hilft Alles nichts zur Freundſchaft. Die wahre, thätige, produktive beſteht darin, daß wir gleichen Schritt halten im Leben, daß der Freund meine Zwecke billigt, ich die ſeinigen, und daß wir ſo unver⸗