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rückt zuſammen fortgehen, wie auch ſonſt die Differenz unſerer Denk⸗ und Lebensweiſe ſein möge“*). Ziel und Wege dieſer gemeinſamen Thäͤtigkeit aber bezeichnet uns Schiller mit den Worten: „Wahrheit ſuchen wir beide, du außen im Leben, ich innen In dem Herzen, und ſo findei ſie jeder gewiß. Iſt das Auge geſund, ſo findet es außen den Schöpfer; Iſt es das Herz, dann gewiß ſpiegelt es innen die Welt.“
Die Wahrheit alſo war es, welche dieſe beiden von Natur ſo grundverſchiedenen, ja in gewiſſer Hinſicht im ſchroffſten Gegenſatze zu ein⸗ ander ſtehenden Männer zu den innigſten Freunden machte,— ein herrlicher Triumph des ſittlichen Geiſtes über die Natur, oder, wenn man lieber ſo will, eine Verklärung dieſer durch jenen. Denn die Wahrheit, welche beide ſuchten, verwendeten ſie im Dienſte der Menſchheit; die Form aber, in welcher ſie dieſe Wahrheit ſuchten und fanden und darſtellten, war die Schönheit, das höchſte Lebensziel, in welchem ſich ihre jahrelang gegne⸗ riſch geſpannten oder einander entfremdeten Geiſter endlich zuſammenfinden mußten, die Förderung wahrer Menſchenwürde und wahren Menſchenwohls durch äſthetiſche Erzie⸗ hung, wobei wohl nicht der unweſentlichſte Unterſchied der war, daß Göthe mehr den ein⸗ zelnen Menſchen, Schiller die geſammte Menſch⸗ heit im Auge hatte.
Eine auf die Gemeinſchaft ſo hoher Ideen gegründete, thätige Freundſchaft mußte ein wahrer
*) Göthe's Werke, Bd. 49, S. 99.


