Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
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III.

Hiermit, verehrte Anweſende, iſt uns ein neuer Zug in Schiller's Leben angedeutet, wel⸗ cher nächſt dem in allen bisherigen Zügen ſich kundgebenden Grundſtreben nach Verwirk⸗ lichung ſeines Freiheitsideals einen leb⸗ haften und ſegensreichen Eindruck auf das Ge⸗ müth des reifern Jünglings wenigſtens nicht ver⸗ fehlen kann. Iſt doch unter allen Leitſternen, welche dieſem auf dem Wege zu ſeiner ſittlichen Entwicklung entgegenleuchten, die Idee der Freundſchaft einer der reinſten und ſicherſten, und der Trieb nach Freundſchaft unter allen höhern Trieben derjenige, welcher ihm am mächtigſten die Bruſt ſchwellt. Mit dem vollſten Rechte be⸗ dauern wir den Jüngling, der nicht den Drang empfindet, ſich vertrauensvoll an einen Genoſſen anzuſchließen, das ganze, volle Herz ihm auszu⸗ gießen, Gefühl um Gefühl, Gedanken um Ge⸗ danken mit ihm auszutauſchen. Aber die Idee der Freundſchaft lebt in ihm zunächſt nur als Naturtrieb, als unfreier Herzenszug, welcher noch keineswegs ein ſicherer Buͤrge ihrer höchſten Ent⸗ wicklung iſt. Dieſe iſt nur dann möglich, wenn ein gleich hohes und reines ſittliches Streben die Herzen vereint und ſich zu vollem und feſtem geiſtigem Bewußtſein erhebt. Die wahre Freund⸗ ſchaft iſt ein ebenſo ſeltenes als unſchätzbares Gut; ſie iſt eine ſchwer zu erringende Tugend; wenn irgendwo, ſo bedarf es zur Unterſtützung des Strebens nach ihr des begeiſternden Bei⸗ ſpiels, welches ihm zeigt, daß die wahre Freund⸗