Aufsatz 
Schiller, der Liebling der Jugend. Rede, bei der Schillerfeier ... 1859 gehalten
Entstehung
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ein freier Mann, frei ſowohl nach innen als nach außen: frei von der Gewalt niederer Leidenſchaften, frei von den Irrungen, welchen er in dem dunkeln Drange ſeines erſten jugendlichen Strebens nicht hatte entgehen können, frei von allen ſchwächlichen Rückſichten auf die Außenwelt. Die ſeiner ganzen Umgebung abge⸗ zwungene Anerkennung dieſes ſeines freien und ſelbſtſtändigen Weſens war es, die Göthen bei einem Anlaſſe, welcher kleinere Seelen empfindlich verletzt haben würde, das Wort entlockte:Schiller iſt ein wunderlich großer Menſch.Er erſcheint (ſo äußerte derſelbe ſich bei einer ſpätern Ge⸗ legenheit) immer im abſoluten Beſitze ſeiner er⸗ habenen Natur. Nichts engt ihn ein, nichts zieht den Flug ſeiner Gedanken herab; was in ihm von großen Anſichten lebt, geht immer frei heraus, ohne Rückſicht und ohne Bedenken. Das war ein rechter Menſch und ſo ſollte man auch ſein.

Im Beſitze dieſer innern Unabhängigkeit und Freiheit konnte Schiller freilich alle bloß äußern und ſcheinbaren Güter des Lebens geringſchätzen und verſchmähen, wie er denn in dem letzten Jahre ſeines an Entſagungen und Entbehrungen gewöhnten Lebens die glänzende und mit einem außerordentlich reichen Einkommen verbundene Stellung in Berlin, welche der Preußenkönig ihm anbot, ausſchlug, um bei einem beſcheidenen Jahresgehalte in Weimar auch fernerhin den Muſen und der Freundſchaft zu leben.