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Sie werden, verehrte Anweſende, hier keine Widerlegung der religiöſen Verketzerer Schiller's erwarten; eine ſolche wäre unwürdig des heiligen Mannes mit der„Chriſtustendenz“, die Göthe mit Recht ihm eingehoren genannt hat, und über⸗ flüſſig gegenüber der Gottesſtimme des tief reli⸗ giöſen Volkes, welche ſich gerade in dieſen Tagen ſo laut und allgemein kundgegeben hat.
Nur mit jenem Gottvertrauen durfte Schiller es wagen, ſeine natürliche Heimat aufzugeben und ſich eine neue, geſtige Heimat zu ſuchen. Und er hat ſie, wie Columbus,„trauend dem leitenden Gotte“ gefunden: ſein Vaterland ward die Welt, ſeine Familie die ganze Menſchheit. Aber er hat ſich dieſe, wie alle Güter des Lebens, die ihm als begehrenswerth erſchienen, erringen müſſen durch ſchweren Kampf. Durch unver⸗ droſſenes Erdulden der äußerſten Noth, durch Entbehrungen aller Art, durch„feſten Muth in ſchweren Leiden“ überwand er im getreuen Dienſte ſeines Genius jeden Widerſtand, er mochte kommen, woher er wollte. Gerade das letzte Drittel ſeines Lebens, während deſſen er faſt ununterbrochen mit körperlichen Schmerzen und Krankheit zu kämpfen hatte, war die Periode ſeiner angeſtrengteſten und fruchtbarſten Thätigkeit, und dadurch die hellſte Glanzzeit in der Geſchichte der deutſchen Literatur.
Bis zum letzten Athemzuge ausdauernd im ta⸗ pferſten Streben und Ringen, verwirklichte Schiller in ſeinem eigenen Leben das Ideal, welches von Jugend auf ſeinen Geiſt erfüllt hatte: er ward


