Aufsatz 
Das Streben der Könige von Frankreich nach der römischen Kaiserkrone
Entstehung
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Deutschen zu übertragen, dass es besser gewesen wäre, den Franzosen das Kaisertum zu überlassen, presertim cum ipse rex Karolus fuerit rex Francorum et Gallici sint homines. qui omnibus consideratis, merito sint cunctis hominibus preferendi. Diese Meinung sucht er zu widerlegen. So erinnert er daran, dass bei der Scheidung der Nationen die Fran- zosen nicht leer ausgegangen seien. Wie die Jtaliener das Papsttum und die Deutschen das Kaisertum inne hätten, so sei das Studium der Philosophie und der freien Künste von Rom nach Paris verpflanzt worden. Jede der drei Nationen könne also zufrieden sein.

Sodann gedenkt er mit freudigem Stolz des grossen Sachsenkaisers, den er jedoch mit seinem Vater Heinrich verwechselt. dermagnifice et imperiose Francorum regibus et Lumbardie super Romanorum imperio perpetuum silentium impesuerit. Wohl kennt auch er eine alte Weissagung, dass ein Spross des französischen Königsgeschlechts Karolus nomine den Kaiserthron besteigen werde, qui erit princeps et monarcha totius Europae et reformabit ecclesiam et. imperium, sed post illum nunquam alius imperabit. Aber Jordanus hat deswegen den Glauben an die Zukunft seines Volkes nicht ver- loren.Wenn die Vögel die Lilie erblicken. dann singen sie frohe Lieder, beim Anblick des Adlers aber verkriechen sie sich scheu in ihre Nester, So verachten die Barbaren die Insignien anderer Könige. die Adler der römisch-deutschen Kaiser aber flössen ihnen Furcht und Schrecken ein. Auch Gregor X, der i. J. 1271 auf den päpstlichen Stuhl. erhoben wurde, gehörte zu den Männern, die zu den alten Ueberlieferungen des römisch- deutschen Kaisertums zurückzukehren wünschten. Als i. J. 1272 einer der beiden Schat- tenkönige des Zwichenreichs. Richard von Cornwallis, gestorben war, da glaubte Karl von Anjon. die Stunde der Entscheidung habe geschlagen. Er selbst konnte sich nicht wohl um die Kaiserkrone bewerben, so sehr auch die italienischen Welfen sich ihn zum Kaiser wünschten: denn durch seine Erhebung zum Kaiser wäre ja jener Zustand herbeigeführt worden. den Friedrich II im Widerstreite mit dem Papsttum vergeblich angestrebt hatte. Er fasste daher den Plan. seinem Neffen. König Philipp von Frankreich, die Krone zuzu- wenden. Natürlich hätte Philipp als Kaiser unter dem Einfluss seines geistig weit über- legenen Oheims in Neapel gestanden. Karl wäre der mächtigste Mann in Europa und der Papst nur noch ein willenloses Werkzeug seiner Politik gewesen. In Florenz em- pfing um die Mitte 1273 Gregor die französische Gesandtchaft, durch die Philipp III in in aller Form um seine Erhebung zum römischen Kaiser bat. Der Papst war vor eine der folrenschwersten Entscheidungen gestellt. Die Befugnis des Papstes, von dem Her- kommen abzuweichen und statt des deutschen einen französischen König zu krönen, wur- de kaum bezweifelt. Längst war in kirchlichen Kreisen die sogenannte Translationstheorie zur Herrschaft gelangt. d. h. die Auffassung. dass im Jahre 800 der Papst aus völlig freiem Antrieb, ohne jedes Dazuthun von Seiten Karls d. Gr. diesen zum Kaiser gekrönt und damit das Kaisertum von den Griechen auf die Franken übertragen habe, woraus dann folgte, dass ihm auch das Recht zustand, die Franzosen an die Stelle der Deutschen treten zu lassen. Doch es bedurfte noch gar nicht einmal einer Anwendung dieser Trans- lationstheorie. Seit dem Jahre 1257 wählte nicht mehr die Gesamtheit der deutschen Fürsten den König und zukünftigen Kaiser. sondern nur sieben bevorrechtete Wahlfürsten; und diese hatten i. J. 1257 zwei Ausländer gewählt. Es genügte also, wenn der Papst etwa die drei geistlichen Kurfürsten für den König von F rankreich gewann; denn den Grundsatz. dass der von der Mehrheit Gewählte rechtmässiger König sei, kannte man da- mals noch nicht. Ja im Falle seiner Wahl durch die drei geistlichen Kurfürsten hätte Philipp gar nicht einmal nötig gehabt sich in Aachen krönen zu lassen; denn die Krö- nung in Aachen wurde wenigstens nicht mehr allgemein für nötig gehalten. Urban IV hat B. ausdrücklich erklärt, die Wahl, nicht die Krönung sei das Entscheidende. An- ders dachte Gregor X. Er hat in einem Briefe an Alfons von Castilien die Krönung in Aachen für die unerlässliche Vorbedingung der Krönung in St. Peter erklärt. Aber Gregor wollte überhaupt keinen Kaiser, der nicht zugleich wahrer deutscher König wäre.