33
Nach der Eröffnungsfeierlichkeit wurde vor versammeltem Lehrercollegium die Ver- eidigung des zum evangelischen Religions- und ordentlichen Lehrer des Gymnasiums defini- tiv ernannten Lic. theol. Oertel durch den Director vorgenommen.
3) Die Pfingstferien dauerten vom 19. bis zum 26. Mai.
4) Am 6. und 7. Juni, am 11., 12., 22. und 23. Juli wurde der Nachmittagsunter- richt der grossen Hitze wegen auf eine Lehrstunde beschränkt, am 25., 26. und 29. Juli aber aus demselben Grunde ganz ausgesetzt.
5) Am 31. August verloren wir durch den Tod den Obertertianer Philipp Geis, welcher nach mehrmonatlichem Leiden in Camberg verschied. 4
6) Am 29. und 30. August wurden die am Schlusse des Sommersemesters regelmässig stattfindenden Classenprüfungen abgehalten und am 31. August das Sommersemester mit der öffentlichen Schulfeierlichkeit geschlossen. Bei derselben hielt der Unterprimaner August von Sachs einen lateinischen Vortrag über das Thema: Alexander et virtutibus et vitiis patre maior; deutsche Vorträge hielten der Oberprimaner Ernst Stadelmann über Lessing's Minna von Barnhelm, der Unterprimaner Heinrich Thomä über den Landsitz des Laertes, das Eiland der Kalypso und den Garten des Alkinoos nach Homer's Odyssee.
Nach Beendigung des Rede- und Gesangsactes hielt der Director an die versammel- ten Schüler, bevor dieselben nach Austheilung der Censuren in die Ferien entlassen wurden, mit Beziehung auf die für den 2. September in unserer Stadt vorbereitete Sedanfeier eine Anrede, in welcher er die grossartigen Erfolge des für unser Vaterland so ruhmvollen Krieges, insbesondere die Neubegründung des deutschen Reiches und die Wiedergewinnung der alten Reichslande im Westen, nach ihrer welthistorischen und vaterländisehen Bedeutung schilderte und hieran die Mahnung an die versammelten Schüler knüpfte, durch treue Pflicht- erfüllung, ernste und unablässige Arheit für die Aufgaben, welche ihrer im Dienste des Vaterlandes warteten, sich vorzubereiten und an ihrem Theil nach Kräften dazu mitzu- wirken, dass die durch die Tapferkeit unserer Heere errungenen Erfolge dem Vaterlande bewahrt und zu dessen dauernder Wohlfahrt verwerthet würden.
7) Die Herbstferien dauerten vom 1. September bis zum 6. October. Ein Ferienunter- richt, wie er in früheren Jahren für die Classen III b, IV., V. und VI. ertheilt worden ist, konnte in dem verflossenen Schuljahre nicht eingerichtet werden, da dieser Unterricht durch die Theilnahme von wenigstens 30 Schülern bedingt ist(s. Progr. von 1870 S. 25 Nro. 10 und Progr. von 1871 S. 30 Nr. 14), im verflossenen Herbste aber sich nur einige wenige Schüler für denselben gemeldet hatten. Dagegen wurde einer Anzahl Schüler der genannten Classen, welche nach dem Ergebnisse der letzten Censur in einzelnen Fächern noch Lücken auszufüllen hatten, unter dem Beirathe des Gymnasiums durch Schüler der beiden obersten Olassen Privatunterricht ertheilt.
8) Mit dem Schlusse des Sommersemesters schied Oberlehrer Dr. Capelle in Folge einer Berufung an das Lyceum I. zu Hannover aus seinem hiesigen Wirkungskreise. Unsere Anstalt erfreute sich nur ein Jahr hindurch der erfolgreichen Thätigkeit des durch Kennt- nisse, Lehrgabe und Berufseifer ausgezeichneten Schulmannes, welchem sie stets eine dank- bare Erinnerung bewahren wird.
9) Am 7. October begann das Wintersemester mit der Präfung der 29 zur Aufnahme
5


