der Kurfürst verspricht 4800 Mann zu Fuss, 1200 zn Pferd Mitte September an der Grenze zu haben und in den Dienst der Staaten treten zu lassen, damit so viel Mann staatischer Völker mit nach England transportirt werden könnten; der Kurfürst erhielt für den Reiter 40 Thaler, für den Mann zu Fuss 12 Thaler; übrigens sollten diese Truppen in holländischem Solde und Dienste stehen und können nur nach zweimonatlicher Kündigung von Seiten der Staaten zurückgesendet, von dem Kur- fürsten zu jeder Zeit zurückverlangt werden; doch seien die Völker nur als ge- liehen zu betrachten, damit Brandenburg bei etwaiger Verwendung derselben gegen Frankreich mit dieser Macht nicht in Krieg gerathe. ¹1) Der Prinz dankte in einem Schreiben vom 13. August für die généreuse manière, mit welcher der Kurfürst seinen Wünschen entgegengekommen, und kam selbst mit ihm den 29. August zu Minden zusammen, um die letzte Absprache zu nehmen. In allen Stücken entsprach der Kur- fürst ganz den Erwartungen des Prinzen auch ferner: nicht nur, dass er ihm den Marschall Schomberg als Führer der Landungstruppen überliess und seine Truppen im Clevischen vermehrte; er beauftragte auch den Marschall Schomberg die Stadt Cöln zu besetzen, da französische Truppen sich dieser Stadt näherten, um in der cölnischen Wahlangelegenheit die Sache Fürstenbergs mit Gewalt zu unterstützen, und schon Bonn und andere Orte besetzt hatten: am 13. September war Cöln durch brandenburgische Truppen gesichert; am 20. September übergab General Grumbkow von Wesel aus die brandenburgischen Hülfsvölker an die Staaten, welche sofort das Lager der staatischen Miliz Nymwegen, nach deren Musterung auf der Mocker Heide und Abzug zur Einschiffung, beziehen; endlich entfaltete der Kurfürst noch eine beson- ders rührige Thätigkeit, nachdem nunmehr Holland und der Niederrhein gedeckt zu sein schien, auch den Mittelrhein zu sichern: auf einem Convent zu Magdeburg An- fang October veranlasst er Braunschweig, Kursachsen, Hessen-Cassel etwa 24,000 Mann in die Gegend von Giessen und Marburg zur Sicherung von Frankfurt und dem Main binnen 3 Wochen zu werfen und Frankfurt zu besetzen, und stellte selbst 2 Regimenter zu dieser Action. Auch hier erreichte man, dass wenigstens der Rhein in deutschen Händen blieb. ²)
Noch konnte die englische Expedition scheitern, wenn Ludwig sich mit seiner ganzen Macht auf Holland und den Niederrhein geworfen hätte: und er war dazu eine Zeit lang bereit und drohete mit Hülfe für England, da er auch andere Gründe zu haben glaubte, auf die Staaten zu zürnen. Aber einestheils wünschte Jacob selbst,
¹) Theatr. p. 415. Droys. IV, 1 p. 35. Anm. 1. Milit. Wochenbl. 1838. N. 30. Z. f. preuss. Gesch. II, 15. Durch die glückliche Erledigung dieser Angelegenheit und in dieser Form, wodurch die
Sttaaten freie Verfügung über die geliehenen Truppen erhielten, waren sie für sich in vortheilhafterer Stel-
lung und hatten freiere Verwendung, als ihnen der Bund von 1685 dem Kurfürsten gegenüber gestattete; daher es denn gekommen sein mag, dass sie die schon aufgenommene Ernenerung jenes Bundes wieder fallen liessen: der Vertrag wurde entworfen, aber nicht ratificirt.
²) Auch in Holland erkannte man den patriotischen Eifer des Kurfürsten besonders für Erhaltung
der Staaten dankbar an. Droys. IV, 1, 40 Anm.


