Aufsatz 
Die Theilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms III. nach England / von Friedrich Otto
Entstehung
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dem Scheine, als gälte es dem Schutze der gewöhnlichen Handelsinteressen der Republik. Wir verfolgen hier nur die Beziehungen vornehmlich zu Brandenburg. Ende Juli kamen verabredetermassen der brandenburgische Geh. Rath Fuchs und Bentink in Celle zusammen, um die Hülfeleistung des Kurfürsten zu besprechen, wie ähnliche Besprechungen und Abmachungen auch mit Hessen, Lüneburg ohne Mitwirken Brandenburgs, welches dadurch in eine Categorie mit diesen gesetzt wurde, stattfanden. Nur dass Bentink gegen Fuchs offener heraustrat, da an dem Beitritt des Kurfürsten schon des Eindruckes wegen mehr gelegen war. ¹) Die Verhandlungen fanden ganz im Geheimen statt: Fuchs reiste unter dem Namen eines kursächs. Rathes Pflug, dem Vorgeben nach, nach Hamburg und stieg in einem abgelegnen Gasthause in Celle ab; mit Bentink, welcher erst um 10 Uhr Abends ankam, hielt er die Be- sprechung, um Aufsehen zu vermeiden, nicht mehr sofort, sondern um 6 Uhr des andern Morgens: Bentink setzte zunächst die Gefahren der protestantischen Religion auseinander, wie ein vollkommnes Concert zwischen den Königen von Frankreich und England bestehe, dieselbe zuerst in England, dann in Holland und Deutschland zu stürzen, zu welchem Zwecke man um den Preis des Elsasses die Mitwirkung des Kaisers, frei- lich vergeblich, habe erkaufen wollen; in England aber werde der König 1) demnächst ein ergebenes Parlament haben, das den Test abschaffen, kurz alles was der König zur Erreichung seines Zweckes dienlich erachte, genehmigen werde; 2) lasse der König Jacob werben; 3) rüste Frankreich eine grosse Flotte, um für das nächste Jahr eine Expedition nach England unmöglich zu machen; viel wichtiger sei, dass die ganze englische und schottische Nation den Prinzen dränge zu eilen, da sie sonst sich selber helfen müssten; da es also heisse aut nunc aut numquam, oder wie man im Sprüchwort sage: Vogel friss oder stirb, da Gewissen, Ehre und Pflicht seine Hoheit antrieben, da die Klugheit selber dazu rathe, so sei der Prinz entschlossen das Werk anzugreifen und etwa in 6 Wochen überzuzetzen; nachdem Bentink von den Rüstungen in Holland gesprochen, fuhr er fort: das einzige, was zu besorgen stünde, würe, dass Frankreich, wenn es sehe, dass der Prinz mit einer Flotte und einer Armee nach England übergegangen, um eine Diversion zu machen, auf den Staat(Holland) losgehen möchte; dieses nun zu verhüten, müsse man in Zeiten auf die Gegenwehr bedacht sein und sich mit Mannschaft versehen; zu die- sem Zwecke wünsche der Prinz auch von Brandenburg, aber nicht blos die in Aus- sicht gestellten 4000, sondern mindestens 6000 Mann. Die weiteren Verhandlungen dreheten sich um die Höhe der Entschädigung resp. Werbegelder für neue Truppen. Auch mit dem cellischen Minister Bernstorf wird in Gegenwart von Fuchs in einem Garten vor der Stadt, wohin Bentink und Fuchs sich zu Fuss begeben, eine ähnliche

Besprechung abgehalten ²). Auf Grund dieser Verhandlungen kam am 5. August der

Recess von Celle, am 5 August von dem Prinzen in Haag genehmigt, zu Stande:

¹) Die Verhandlungen s. Zeitschrift f. preussische Gesch. II, 1. ¹) Mitgetheilt von Droysen IV, 4, 213.