Aufsatz 
Die Theilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms III. nach England / von Friedrich Otto
Entstehung
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die Leitung des Ganzen in die Hand nehmen, wie er ja auch allein die Gefahr eines Misslingens zu tragen hatte? Musste der vorsichtige Staatsmann nicht noch unzweifel- hafte Beweise erwarten, dass er allen Parteien in England als erwünschter Befreier komme?.

Allerdings wurde der Kurfürst Friedrich III. der Richtung seines Vaters nicht untreu, sondern knüpfte sofort die durch des Vaters Tod abgebrochenen Unter- handlungen wieder an, indem auf seinen Wunsch zur Condolenz ein Vertrauter des Prinzen in der Person des in alles eingeweihten treuen Bentink nach Berlin kam, theils um über den Stand der Expedition Mittheilung zu machen, theils um einige branden- burgische Regimenter und die Vermittlung des Kurfürsten bei andern deutschen Fürsten zu ersuchen. Der Kurfärst stellte 4000 M. zur Disposition und eine Defensivallianz gegen Frankreich: auch wirkte er an mehreren deutschen Höfen nicht ohne Erfolg. ¹) Aber der Führerrolle Brandenburgs war er nicht gewachsen, mehr gewohnt geführt zu werden, obgleich nicht unempfänglich für grosse Zwecke; die Fäden des grossen gemeinsamen Unternehmens liefen nicht mehr in Berlin zusammen, als Haupt der Liga galt nun unbestritten der Prinz von Oranien. ²)

Auch das andere blieb dem Prinzen von Oranien nicht aus: im Frühjahre 1688 erfolgte abermalige Hinausschiebung des Parlaments, neue Willkührmassregeln des Königs Jacob, insbesondere das Verfahren gegen die Bischöfe wegen der Weigerung, die königl. Declaration der Religionsfreiheit in den Kirchen verlesen zu lassen; es folgte endlich die Geburt des Prinzen am 18. Juni, welchen die Gegner des Königs für untergeschoben hielten und der die Aussicht auf protestantische Thronfolge vollends vernich- tete: lauter Vorgänge, die auch diejenigen, welche noch bisher geschwankt hatten, in die Arme des Prinzen trieben. Am 30. Mai geht das Schreiben der 7 Lords an den Prinzen und die Prinzessin ab, welches sie einladet, der bedrängten Nation zu Hülfe zu kommen, che es zu spät sei.

Der Prinz beschliesst dem Rufe Folge zu leisten und entfaltet sofort eine grosse Thätigkeit: es galt Rüstungen zu Wasser und zu Land, der eigenen Truppen und der Werbung von Truppen befreundeter Fürsten: alles im tiefsten Geheimniss, unter frem-

¹) Mit dem Landgrafen von Hessen schloss der junge Kurfürst 27. Juni 1688 persönlich die Erb- Defensiv-Alliance(bei Mörner p. 501) vornehmlich gegen Frankreichs politische und religiöse Uebergriffe; Art. 4 nimmt Bezug auf die Betheiligung der Gen. Staaten an den englischen Wirren und stellt die Erhal- tung von Cöln und Coblenz, Conservirung der Niederlande ev. als Zweck des Bundes hin, der erste Geheim- Artikel insbesondere Schutz des Protestantismus bei dessen Gefährdung in England, Holland, Deutschland, wobei sie sich versprachen mit den Gen. Staaten und dem Prinzen von Oranien zu communiciren. Ferner wurde der Landgraf dafür gewonnen, an die Gen. Staaten Soldaten zu überlassen. Auch mit Kursachsen erneuerte Friedrich III. am 24. Aug. zu Annaberg die frühere Defensiv-Allianz(Mörner p. 503), ohne es zur Mitwirkung zu vermögen.

²) Droysen IV 1, 29. Der französische Gesandte im Haag schrieb mit Bezug auf den Regierungs- wechsel in Brandenburg: der Prinz von Oranien hoffe, dass es ihm jetzt leichter sein werde, eine protestan- tische Liga zusammen zu bringen als bei Lebzeiten des verstorbenen Kurfürsten, der das Haupt dieser Liga habe sein wollen und das Haus Lüneburg von derselben ausgeschlossen haben würde.

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