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Lord Leven, General von Spaen; auch Schomberg hatte vor seiner Ankunft in Berlin eine Besprechung mit Oranien; es folgte noch die Sendung von dem Pensionär Hopp, dem Obrist Pettekum, Lord Leven im Januar 1688 mit der Aufforderung englischer und schottischer Lords, das Werk der Befreiung zu beschleunigen; auf den Wunsch Oraniens zog der Kurfürst nunmehr den Kurprinz und seinen Rath Eberhard Dankel- mann in das Geheimniss. Endlieh ging Gen. Spaen nach dem Haag, die letzten Ver- abredungen zu treffen: 9000 M. wurden in das Clevische zusammengezogen, um die Staaten zu decken, wenn deren Truppen anderweit verwendet würden; in Holland selbst herrschte reges Leben und Rüstung; Jedermann erwartete eine Unternehmung; und schon waren genug Gerüchte verbreitet, es gälte eine Expedition nach England. Man sieht, der Plan war, dass brandenburgische Truppen die Staaten gegen einen möglichen Angriff Prankreichs, wenn er unternommen würde, um die englische Expedition zu ver- eiteln, schützen sollten; doch beabsichtigte der Kurfürst nicht das Commando seiner Truppen aus der Hand oder dieselben in holländische Dienste zu geben.
Mitten in diesen Vorbereitungen und Entwürfen nahm die Krankheit des Kur-
fürsten eine gefährlichere Wendung; seine Thätigkeit setzte er fort bis zu seinem Tode, und wie sehr ihn in den letzten Tagen noch grade die englische Expedition beschäf- tigte, beweisen die 2 letzten Parolen die er am 7. u. 8. Mai ausgab, London, Amster- dam; am 9. Mai starb er; sein Lob spricht bei dieser Gelegenheit das Theatr. Europ. XIII. p. 399 folgendermassen aus:
„Also starb Kurfürst Friedrich Wilhelm zu Brandenburg, dessen Name Gott grösser gemacht als den Namen seiner Vorfahren, und dessen Kurfürstlichen Thron weit über ihren Stuhl erhoben; eine grosse Säule des deutschen Reiches, ein Beschützer der evangelischen christlichen Religion, ein Protector der Bedrückten, wie auch der Witti- ben und Waisen, der Senior im Kurf. Collegio, und der von vielen Kur- und Fürsten als ein Vater geehret wurde, dessen Freundschaft und Gewogenheit ausländische Könige und Potentaten durch stetige Abschickung sucheten und selbe werth hielten, den alle Fürsten des römischen Reichs vor ein Orakel hielten und Rath und Hülfe bei demsel- ben suchten, der fast aller zu seiner Zeit verrichteten Heerzüge Führer oder Gefährte gewesen und sein Leben zum Vortheil des deutschen Vaterlandes öfters gewaget, ein Herr, dessen Sorgfalt nicht allein über die Regierung Dero eignen weitläufigen Lande, sondern auch noch weiter und ausser Landes, ja über Meer sich erstrecket und ohne welchen nichts in der Welt zu Dero Zeit vorgegangen, daran sie nicht allezeit Theil gehabt, schliesslich dessen Gedächtniss nicht untergehen wird, so lange Sonn und Mond am Firmament des Himmels bpeharren werden.“
Der Tod des Kurfürsten änderte an dem Laufe der Dinge und der Ausführung der einmal gefassten Pläne nichts; er hatte dem Flusse seine Richtung gegeben oder geben helfen: nun strömte er seinem Ziele zu. Doch mochte der Mangel des väter- lichen Freundes und Berathers den Prinzen von Oranien zu doppelter Vorsicht mahnen. Trat der neue Kurfürst auch so ganz in die Fusstapfen seines Vaters, dass auch er bereit war, thatsächlich das grosse Unternehmen zu unterstützen, konnte er dieselbe Rolle eines selbständigen Helfers weiter spielen? Musste nicht der Prinz nunmehr allein
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