Aufsatz 
Die Theilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms III. nach England / von Friedrich Otto
Entstehung
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er nicht nur in Förderung der Rekatholisirung Englands immer rücksichtloser vorging und die bestehenden Gesetze umging oder beseitigte, sondern auch, als das Parlament sich nicht willfährig genug zeigte, ohne dasselbe regierte in der Absicht, wie sich später zeigte, erst wenn er hinreichend Anhänger gefunden, ein neues willfähriges zu berufen. Weil der Prinz von Oranien diess Verfahren nicht gut heissen konnte, ja ausdrücklich seine Zustimmung zu dem Verfahren des Königs und der Aufhebung des Testeides verwei- gert hatte, so erblickte Jacob in ihm seinen Gegner, die Protestanten Englands ihr Haupt, zu dem viele flüchteten, sei es um Schutz zu suchen vor Vergewaltigung, sei es um zu berathen, was zu thun sei: nicht minder näherte sich dadurch Jacob der fran- zösischen Anschauungsweise, mit der er in religiös-kirchlichen Fragen schon verwandt war, auch in seinen politischen Maasnahmen. So gestalteten sich immer deutlicher zwei einander feindliche und entgegengesetzte Staatengruppen: auf der einen Seite die katholisch-absolutistische Gruppe, geleitet von dem französischen Könige, in dessen Bahnen der englische wider den Willen der Nation immer tiefer hineingerieth; gegenüber die protestantische Partei, zwar zusammengesetzt aus politisch-heterogenen Elementen, indem neben den republicanischen Niederlanden und der parlamentarischen Partei in England der wenigstens in Sachen der äusseren Politik völlig unabhängig verfahrende Kurfürst stand, aber einig in dem Glauben an die Nothwendigkeit, im Noth- fall mit den Waffen die evangelische Freiheit schützen zu müssen, und einig in der Achtung vor den bestehenden Verträgen und dem bestehenden Gesetze. Den Kaiser zog zwar die Gemeinsamkeit des Glaubens auf die Seite der katholischen Mächte, ebenso die katholischen Stände Deutschlands; aber das war eben das Verhängnissvolle in der Stellung derselben, dass die Pflicht gegen das Reich und das Bestreben der Selbsterhaltung sie wieder von ihnen treunte und sie darin ganz die Billigung des Hauptes der Kirche fanden, das weder mit dem Könige von Frankreich befreundet war oder seine Richtung im Ganzen billigte, noch sich mit dem raschen Vorgehen Jacobs ein- verstanden erklärte. So gereichte die Spaltung der katholischen Welt der Erhaltung des protestantischen Wesens zum Segen und förderte wider Willen die Ziele derer, die man sonst bekämpfte. ¹)

Ueber den Gang der Verhandlungen, welche im Laufe des Jahres 1687 zwischen Berlin und dem Haag gepflogen wurden, sind wir nicht genau unterrichtet, da sie wahrscheinlich nicht schriftlich, jedenfalls nur vermittelst geschickter und in das Ge- heimniss eingeweihter Vertrauenspersonen geführt und etwaige Actenstücke viel- leicht alsbald vernichtet wurden, um jede unzeitige Veröffentlichung unmöglich zu machen; eine persönliche Zusammenkunft beider Fürsten im November 1687 zu Berlin wurde in Folge der drohenden Lage, welche den Prinzen in Holland zurückhielt, ver- eitelt. So gingen als Abgeordnete ab und zu der Prediger Gaultier, Obrist von Heyden,

¹) In Deutschland förderten diesen Gegensatz in der katholischen Welt besonders die Bemühungen Ludwigs XIV., seinen Günstling, den Bischof von Strassburg, bei der Wahl eines neuen Erabischofs in Cöln gegen den Wunsch von Papst und Kaiser durchzusetzen. 1

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