gegen die Türken, anderntheils den Defensionstractat vom 22. März 1686, ¹) zum Schutze des Reiches, zur Aufrechthaltung der Verträge gegen etwaige Versuche Frankreichs; zur Beilegung der brandenburgischen Forderungen an Schlesien und zur Erhaltung des Hauses Oesterreich in der kaiserlichen Würde. Zugleich schlossen am 29. Mai 1686 viele Stände des Reiches den sogen. Augsburger Bund zu gleichem Zwecke. Es schien endlich— zumal nach dem erfolgreichen Türkenfeldzug von 1686— möglich, den fortgesetzten Verhöhnungen der Verträge von Seiten Frankreichs entgegenzutreten und das zuletzt gestellte Verlangen, den Waffenstillstand von Regensburg in einen defii- tiven Frieden zu verwandeln, d. h. alles in den letzten Jahren widerrechtlich ge- raubte Land förmlich an Frankreich abzutreten, mit den Waffen in der Hand zu beantworten.
Schon war der Kurfürst von dieser Aussicht und Hoffnung, die er an seine früheren Entwürfe anknüpfte, ganz in Anspruch genommen: er entwarf einen Kriegsplan, der
graden Wegs auf Paris loszugehen vorschlug, er hoffte auf freundliche Aufnahme
Seitens der bedrückten Protestanten und der ihrer Rechte beraubten Parlamente; er kam am 1. August 1686 zu Cleve persönlich mit dem Prinzen von Oranien zusam- men, um sich leichter wohl auch über die englische Frage mit ihm zu verständigen ²), in Folge dessen der Prinz die Rüstungen in Holland begann, wie auch der Kurfürst Truppen über den Rhein beorderte ³), und den Marschall Schomberg berief, der dann im April 1687 in Berlin eintraf; es lag wie eine Gewitterschwüle über den Staaten Europas, denn auch Frankreich rüstete, warb Mannschaften, setzte Flotte und Häfen in Stand. Da lenkten die Schritte des Königs Jacob von England die Aufmerksam- keit zunächst des Prinzen und Kurfürsten wieder mehr dorthin: es zeigte sich, dass
¹) Mörner, p. 476, p. 471. Puf. XIX, 25; übrigens war der Vertrag geheim und wurde daneben ein ostensibler ausgefertigt.
²) Der Gegenstand der Besprechung ist nicht schriftlich überliefert, daher wir auf Muthmassung an- gewiesen sind: die Bedeutung der Zusammenkunft aber erhellt daraus, dass schon Pufendorf sie aufgenommen hat XIX, 99, nur irrt er darin bekanntlich, dass er den Marschall Schomberg anwesend sein lässt, wie schon Kazner Leben Schombergs I. p. 279. Anm. bemerkt; ferner bringt er die Zusammenkunft in Zusammenhang blos mit den englischen Angelegenheiten; nun werden freilich auch diese Gegenstand der Besprechung ge- wesen sein; man mag beschlossen haben, man müsse auf jede Weise verhüten, dass König Jacob seine Ab- sichten durchsetze, ferner eine passende Gelegenheit zum Eingreifen abwarten; auch dass Schomberg in den Dienst des Kurfürsten solle; vgl. Peter Actm. III. p. 779. Wenn Rauke also die ganze Mittheilung Pufen- dorfs bedenklich findet, so geht er wohl zu weit. Dägegen ist gegen Pufendorf geltend zu machen, dass sicherlich nach damaliger Lage, da Jacob II. sich in Fragen der allgemeinen Politik noch vorsichtig zurück- hielt, ja eine selbstständige Stellung Ludwig gegenüber einzunehmen sich den Anschein gab, auch der Prinz von Oranien mit seiner politischen Haltung sich zufrieden äusserte, die Spitze der Besprechung nicht gegen England, sondern gegen Frankreich gerichtet sein musste, dass auch nicht von einem vorläufigen Dienste des Marschalls Schomberg bei dem Kursfürsten, sondern, nach Kazner, von definitiver Anstellung die Redesein konnte.
³) Droysen 803.— Mörner p. 492. Vertrag zwischen Kurfürst von Brandenburg und Kurfürst Philipp Wilhelm von der Pfalz wegen 500 M. brandenburgischer, ev, zur Verstärkung der Garnison von Frankenthal
bewilligter Truppen, d. d. 13. Sept.


