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da er den Sturm noch beschwichtigen zu können hoffte, dass Ludwig nicht intervenire, andererseits überwog denn doch bei Ludwig das französische und rein politische Interesse: am 20. September kam nach Versailles die Nachricht von dem Falle Bel- grads, die man— so unangenehm würde sie, wie man wusste, Ludwig berühren— ihm einige Zeit vorenthielt, am 22. September erhielt der Dauphin, der hier Lorbeeren ernten sollte, den Befehl zur Armee zu gehen, am 24. erfolgte das Kriegsmunifest gegen das Reich, erfolgte die Eroberung von Philippsburg, die Besetzung von Kai- serslautern, Alzei, Speyer, Oppenheim, Worms u. s. w., erfolgte die Mordbrennerei in der Pfalz: der Würfel war gefallen, Holland athmete auf, wenn auch an es den 26. November die Kriegserklärung erfolgte; und abermals hatte unser Vaterland die Wucht des schrecklichen Krieges zu tragen und musste gerade damals das Schreck- lichste erdulden. Doch liegt dies ausserhalb der Grenzen unserer Aufgabe. Auch den weiteren Verlauf der Expedition des Prinzen können wir übergehen: genug, dass es ihm gelang, glücklich zu landen(bei Torbay, 16. November), dass er im December unter dem Jubel des englischen Volkes in London einzog und im Anfang des folgen- den Jahres mit seiner Gemahlin Marie die Königskrone von England empfing: das Wort des grossen Kurfürsten war erfüllt, die evangelische Religion und die Rechte des Parlaments in England waren gerettet und wurden durch die Weisheit des neuen Königs für die Folgezeit durch zweckmässige Gesetze gesichert, auch von England aus der Kampf gegen die Universalmonarchie Ludwigs XIV. nunmehr unterstützt.
Wir kehren zu den brandenburgischen Truppen zurück. Welchen Antheil hatten sie an diesen Ereignissen?
Zuvörderst also ging der Marschall Schomberg in die Dienste Wilhelm III. als Führer der Landungstruppen. Sobald nun der Zweck der Expedition erreicht war und weil der deutsch-französische Krieg am Rhein ausbrach, wünschte der Kurfürst die Rückkehr des Marschalls und trug sein Anliegen wiederholt dem Prinzen vor: aber weder dieser glaubte jenen erprobten Krieger entbehren zu können, noch wollte Schomberg die Arbeit halb gethan haben, da der König Jacob einen Versuch machte von Irland aus sein Königreich wieder zu gewinnen; nachdem er unter dem Namen eines Reichsbarons von Teyes, Graf von Brentfort, Marquis von Norwich und Duc de Schomberg in England naturalisirt, mit dem Orden vom blauen Hosenbande ge- ehrt, zum Generalissimus der königlichen Armeen ernannt und zugleich ein Geschenk von 100,000 Pfd. Sterling(5000 Rente) erhalten als Ersatz für die grossen Opfer, die er gebracht, übernahm er das Commando der englischen Armee in Irland und fand dort in der Boyneschlacht seinen Tod.
Dem Vater folgten die beiden Söhne Meinhard und Karl: dieser, ebenfalls kur- brandenburgischer General, begleitete zwar seinen Vater nach England, kehrte aber bald wieder zurück, um als Marquis de Harwich am Rheine gegen die Franzosen zu fechten, erbte nach des Vaters Tod dessen Titel und Würden und starb an den bei Marsaglia am 4. October 1693 erhaltenen Wunden. Sein Erbe war Meinhard: auch dieser war mit seinem Vater als General der Cavallerie in brandenburgische Dienste getreten, ging mit ihm 1688 nach England und that sich rühmlich in dem irischen


