Aufsatz 
Die Theilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms III. nach England / von Friedrich Otto
Entstehung
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Nun traten aber im Jahre 1685 mehrere Ereignisse ein, welche gerade in Bezug auf diese Gesichtspunkte die grösste Thätigkeit und Wachsamkeit des Kurfürsten herausforderten.

Zuerst der Tod Karls II. von England und die Thronbesteigung Jacobs II. am 16. Februar 1685., Der neue König war bekanntlich zur katholischen Kirche zurück- gekehrt und man erwartete von ihm, dass er versuchen werde, dieselbe in England wieder zur herrschenden zu machen. Dass er für sie wenigstens Duldung und dann Gleichberechtigung herbeizuführen beabsichtige, das bewiesen seine ersten Schritte, die er trotz der Gesetze des Landes und der Warnungen, die ihm zugingen ¹), that. So öffnete er sofort am 2. Sonntag nach seiner Thronbesteigung die Thüren seiner Hauscapelle, welche vorher bei Abhaltung der Messe geschlossen gewesen waren, und begann als- bald unter Berufung auf seine königliche Prärogative von dem Testeide zu entbinden und katholische Officiere in die Armee aufzunehmen. Es ist hier nicht der Ort weiter auf den Gang der Bemühungen Jacobs einzugehen; zwei Punkte sind von grosser Bedeutung geworden: 1) In seinen Bestrebungen fand er in zwiefacher Hinsicht einen Rückhalt an Ludwig XIV., indem dieser sowohl seine Neuerungen auf religiösem Ge- biet warm unterstützte, als auch die überschwänglichen Ansichten, die Jacob von seiner königlichen Gewalt und Prärogative hegte, nährte und seine Unterstützung zu. sagte, wenn das Parlament schwierig werde. 2) Die Voraussicht der Dinge, wie sie in England kommen würden, veranlasste den grossen Kurfürsten seine bisherige Hal- tung aufzugeben und eine engere Verbindung der Hauptmächte der Protestanten, d. i. Brandenburgs und Hollands mit den kleineren Fürsten gegen etwaige Eventualitäten anzubahnen; und hiermit beginnt seine Thätigkeit, welche die Theilnahme an der eng- lischen Expedition von 1688 zur Folge hatte. In diesen Bestrebungen traf er auf das glücklichste mit den Gedanken des Prinzen von Oranien zusammen, den ihm in den letzten Jahren die Verschiedenheit ihrer politischen Haltung etwas entfrem- det hatte. ²)

Die ersten Versuche erfuhren von den Staaten eine ablehnende Antwort; aber der Prinz, dem denn doch der Ruhm der Initiative gebührt, der schon seit 1679 eine Annäherung gesucht, schickte schon zu Anfang des Jahres 1685 den vertriebenen französichen Prediger Gaultier nach Berlin mit der Aufforderuug zur Schaffung eines Bundes der evangelis chen Mächte: der Kurfürst müsse sich an die Spitze stellen, er, der Prinz, werde ihm in allem folgen, mit allen seinen Mitteln und Kräften ihn unterstützen. Gaultier war in Potsdam, als die Nachricht von dem Tode Karls II. eintraf. Der erste Gedanke des Kurfürsten war, dass sich der Prinz zum Könige von England machen müsse, der Herzog von Vork sei als Katholik zur Succesion unfähig,

¹) Wie des spanischen Gesandten, der, als der König lächelnd fragte, ob denn sein wohlgemeinter Rath in Spanien befolgt werde oder worden sei, antwortete: C'est pour cela que nos affaires vont si mal. Puf. XIX, 3.

²) Pufendorf XIX, 5: Frigus quod hactenus inter Electorem et Arausionensem e diversitate consilio- rum intervenerat. 4