Aufsatz 
Die Theilnahme der brandenburgischen Truppen an der Expedition Wilhelms III. nach England / von Friedrich Otto
Entstehung
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und er den Prinzen von Oranien, welcher von dem Königreich Engeland unaufhörlich um Schutz war ersuchet worden, mit 6000 Mann zu Hülfe gekommen und seine Expe- dition nach Engeland secundiret.

Auch andere Ueberlieferungen sprechen davon, dass der Kurfürst Truppen zu dieser Expedition überlassen habe, in mehr oder weniger bestimmter Weise, insbeson- dere erwähnte Pufendorf brandenburgischer Kürassiere und Dragoner, die nach England übergesetzt worden seien, und bei dem Sturm auf Limerick einer legio Bran- denburgica, deren auch das Theatr. Europaeum gedenkt; von einer Theilnahme an der Boyneschlacht spricht Kazner im Leben Schombergs.

Von neueren Geschichtsschreibern nimmt Stenzel auf Grund der Auseinander- setzung im Militär-Wochenblatt 1838 Nr. 30, gleich wie Droysen an, dass die brandenburgischen Truppen im holländischem Sold gestanden und in Holland zurück- geblieben seien, während Ranke sagt, nur der grösste Theil der brandenburgischen Truppen sei in Holland geblieben, auch ein Regiment Brandenburg bei London nenut; Macaulay endlich erwähnt bei der Musterung der Truppen vor der Boyneschlacht ein brandenburgisches Regiment und bei dem misslungenen Sturm auf Limeriek ein schönes deutsches Bataillon, offenbar dasselbe, welches Pufendorf und das Theatr. Eur. als ein Regiment Brandenburg bezeichnen.

Bei der so grossen Verschiedenheit der Angaben der neueren Schriftsteller und der Dürftigkeit von Seiten der Zeitgenossen dürfte eine Revision der ganzen Frage berechtigt sein, nicht nur um den Antheil der brandenburgischen Truppen festzustellen, sondern auch um den Charakter der Hülfe, die denn doch geleistet wurde, genauer zu bezeichnen, namentlich um die Ueberlassung der Truppen vor dem Makel eines blossen Geschäfts zu schützen, für welches ein neuerer Geschichtschreiher sie ausgiebt.

Der westphälische Frieden hatte den grossen Kurfürsten in den Besitz eines Territoriums gesetzt, wie es seinen Wünschen zwar nicht ganz entsprach, da er für das ihm gebührende Vorpommern mit Stettin Entschädigungslande im Innern von Deutschland annehmen musste, das ihm aber, wenn er die Anknüpfungspunkte, welche die verschiedenen Theile darboten, zu benutzen verstand, eine im Verhältniss zu dem doch geringen Umfang seiner Lande grosse Bedeutung in den damaligen Staatshändeln sicherte. Denn auch ein minder weitblickender Fürst wäre schon durch die weite Vertheilung der kurfürstlichen Lande über das ganze nördliche Deutschland hin fast mit Nothwendigkeit dazu gezwungen worden, eine entschiedene Stellung in den grossen herantretenden politischen Fragen zu nehmen. Des grossen Kurfürsten Sache war es nun nicht, sich von den Umständen leiten zu lassen, sondern eine aus eigner Berech- nung hervorgegangne Haltung zu gewinnen und bei der Uneigennützigkeit und Kühn- heit seiner Entschlüsse einen massgebenden Einfluss auf den Gang der Dinge auszu- üben. Und zwar beschäftigten ihn in dieser Beziehung vor allem die westlichen Er- eignisse, da durch den schwedisch-polnischen Krieg die östlichen Verhältnisse geordnet, dort eine feste Stellung gewonnen, insbesondere aber Schweden durch die Erschöpfung in Folge der langen Reihe von Kriegen vor der Hand und ohne fremde Beihülfe ausser Stand war zu einer neuen aggressiven Politik zu schreiten.