Aufsatz 
Die reduplicierten Präterita in den germanischen Sprachen / von Rich. Eduard Ottmann
Entstehung
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germanischen sprachen, die das wort in die schwache flexion übergeführt haben, nur im ahd. vor: 3. pl. biruun(Otfr. IV 459) und 2. sg. opt. biruuuis(= birums, Otfr. II 7¹18). An stelle von urgerm. *he-he rückte heu etwa nach der gleichung môöan:*meo= bian:*ben. then muss zu hen(wgerm. grundform) geworden sein(vgl. germ. eu= e0). Ahd. biru zeigt die übertragung des nach dem an- satze: skreot steoz(pleoz): skrerot steroz(vpleroz)= heo/ biu: bero hiru.

Die verkürzung der ehemals reduplicierten präterita hat sich im altnordischen auf einer von den westgermanischen entwicklungstypen wesentlich verschiedenen grundlage und darum in durchaus anderer weise vollzogen. Hoffory, dem sich Holthausen in den wesentlichsten punkten anschliesst,¹) hat gezeigt, dass die überführung jener präterita in die uns vorliegende gestalt nur unter der annahme einer tonverschiebung auf die wurzelsilbe begreiflich wird. Das alt- nordische muss zu der urgermanischen betonungsweise zurückgekehrt sein. ²)

Durch die ausführungen H.s ist eine richtige deutung der bezüglichen wortformen an- nähernd erreicht. 3

Dass in anlautenden unbetonten silben schon in der ältesten periode des altnordischen der vokal dem ausfall preisgegeben war, beweisen am deutlichsten die mit dem von jeher unbetonten suffixe ga- zusammengesetzten wörter, die nirgends mehr den vokal aufweisen: glilr(aus urn.*ga-hkn, got. gadleiks) ähnlich' greida(urgerm.*za-raid-janaln], got. ga-raidjan) bereit machen', granne(urn. got. gQa-razna zu an. rann, got. razn thaus'*)'nachbar', gnaga(urn.*ga-nagan)(be)nagen', gnägr(urn.*ga- nogn, got. ga-nôhs) genug', gnúa(urn.*ga-nan, got. b-nauan)(zer)reiben' In gamall alt' und gaman freude unterblieb der vokalschwund, weil er zu der nicht genehmen verbindung gm im anlaut geführt hätte(anders Kluge Kzeitschr. XXVI 70). Um so eher musste das unbetonte reduplikations-e da erhalten bleiben, wo die gleichen konsonanten vor und hinter demselben nicht unmittelbar zusammentreten konnten. Muss der wandel eines lelek zu wllok als gesetzlich gelten, so konnte hebles, da anlauten- des h im urnordischen als explosiva zu gelten hat, nicht zu*5p εs werden; denn konsonantendehnung im wortanlaut ist für verschlusslaute undenkbar. Die betreffenden ansttze bei IHI.-Hn. sind unstatthaft: die ausbildung erfolgte auch hier auf dem wege der analogen verbreitung.

1. Wörter mit germ. ai(an. ei): leika'spielen', heita theissen'(eika'rasen', grundbed.'sich heftig bewegen', sweipa einhüllen')..

Das präteritum zu leika entwickelte sich ai in unbetonter silbe wird urn. zu a, Noreen aisl. u. anorw. gramm.§ 116 nach H. in folgender weise:*6laik*/62*eleh lIOℳ l6.) Aber*hGhait héhét whehet fheel hjet héêt H., nicht mit Hn.*hchait*hehet whehet wnhet hét, weil dieser ansatz das präteritum H6(zu hgggva hauen'), das nicht wohl analogieschöpfung sein kann, unerklärt lässt: die volle unhörbarkeit des inlautenden", die ja zum frühzeitigen schwund desselben im altnordischen führte(Noreen§§ 217. 103), stellt die wörter, deren reduplikationssilbe nur durch den hauchlaut vom stammvokal getrennt war, auf gleiche stufe mit den verben, auf deren reduplikations-e der stammvokal unmittelbar folgte, also den vokalisch anlautenden zeitwörtern.4)) Zu dem part. praet. eicenn'aufgeregt, wild' müsste ein prät.**(baik*⁶ℳ*ess 1) gehören; zu sveipa und sveipenn ist an stelle des prät. sveip und den schwachen formen sveſpada und sveipta ein regelrechtes*Syε(leika: Iléᷣ= sveipa:

¹) Als jüngste behandlung unseres gegenstandes hat der aufsatz Holthausens die erklärung der west- germanischen reduplikationspräterita in eine entschieden falsche bahn gelenkt, indem hier die von Hoffory für das an. aufgedeckten principien auf die übrigen germanischen sprachen Ausedehnt erscheinen. Aus dem bestréeben, die alt- nordischen und westgermanischen formen zu vereinigen, erwuchs für Hn. die notwendigkeit, von H.s ansätzen mehrfach abzugehen. H.'s deutungen sind nicht ausreichend: die ags. prüterita reord, leolc, heht, leort, ondreoord, die als die ur- sprünglicheren typen den weg der westgermanischen ausbildung vor allem deutlich zu erkennen geben, sind zwar ge- legentlich erwähnt, aber eine vermittlung ihres entstehens mit dem sonst geforderten, gerade entgegengesetzten ent- wicklungsgang ist nicht beigebracht. Und sollen ahd. steroz skrerot allen ernstes jüngere neubildungen sein?

²) Holthausen führt zum beweise, dass im urgermanischen die e als vokal enthaltende reduplikationssilbe den accent trug, die an. formen sera, snera, gnera, bnere, rera an, die doch nach dem Verner'schen gesetze gerade für ursprüngliche wurzelbetonung zeugen. Die ausserdem angezogenen prüteritalformen des verbums lun: ags. dde, afries. dede, as. deda, ahd. teta beweisen zunächst doch nur, dass im westgermanischen der accent auf der wurzelsilbe lag; für die urgermanische zeit ist mit wurzelbetonung die 1. sg. des bezüglichen präteritums als Se-N0(-m) anzusetzen. Sicherlich spricht der verlust der reduplikation in der 1. 3. und 6. ablautsklasse des starken verbums(rais aus reraisa=*IrIraisa u. s. w.) für alte betonung der stammsilbe.

³) In den entwicklungsformen bezeichnet der akut den wortaccent, im übrigen die vokallänge.

) Anders im westgermanischen, wo*heò für heho(zu hauwan) als analogiebildung gelten muss.