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versetzt, doch ging dadurch der ihm eigene feine Geschmack verloren, weshalb Kenner diese Sitte verwarfen.
Von Weinen aus fernliegenden Gegenden waren nicht unrühmlich bekannt der tarentinische, der messalische und ligurische, welcher der Gesundheit besonders zuträglich sein sollte. Der oft genannte Sabinerwein war ein leichter Tischwein, der nach Horaz vom vierten, nach Athenäus erst vom siebten Jahre an wohlschmeckend wurde. Die gepichten Weine der Viennenser waren berühmt, auch die geräucherten aus Massilia erfreuten sich zeitweise einiger Beliebtheit, doch waren sie durch einen Weinhändler namens Munna, der als Weinpanscher berüchtigt war, in Verruf gekommen.¹*⁵) Alle geräucherten, mit frischem Harze versetzten, sowie alle gefälschten Weine waren ungesund,„je reiner und unvermischter die Weine sind, desto gesunder wirken sie.“
Der Weinverbrauch¹⁰⁵) war in der alten Zeit höchst sparsam, man kannte nur wenige Sorten und liess sich an ihnen genügen. Doch nach und nach wuchsen die Ansprüche mit dem grösseren Angebote auf dem Weinmarkte. An Stelle der alten Mässigkeit und Einfachheit traten Völlerei und Schwelgerei. Der alte Censor Cato begnügte sich bei seiner siegreichen Rückkehr aus Spanien noch mit demselben Weine, den seine Ruderknechte tranken, während zu der Zeit des Plinius es nichts Seltenes war, dass genusssüchtige Gastgeber sich selbst und einigen auserwählten Gästen die besten Marken auftragen liessen, während sie die übrige Gesellschaft ihrem Range entsprechend mit Weinen zweiter und dritter Güte abspeisten, eine Takt- losigkeit, die des Schriftstellers lebhafte Missbilligung hervorrief. Zum ersten Male liess Julius Cäsar während seines dritten Consulates vier verschiedene edle Wein- sorten auf die Tafel stellen: chiischen, lesbischen, falernischen und mamertinischen Wein. Den Frauen war in ältester Zeit der Weingenuss gänzlich untersagt, wenn auch Berichte wie der, nach welchem Egnatius Macenius die eigene Gattin, die Wein vom Fasse getrunken hatte, erschlagen konnte, ohne von Romulus wegen Mordes bestraft zu werden, oder, dass eine Frau, die den Schrank heimlich öffnete, in welchem sich die Schlüssel zum Weinkeller befanden, zum Hungertode verurteilt wurde, in ihrer kalten Grausamkeit in den Bereich der Sage zu verweisen sind. Jedenfalls galt es lange Zeit für nicht statthaft, dass eine verheiratete Frau Wein trank, es sei denn den vom Arzte verordneten, der als Medizin dienen sollte. Besonders Herzkranken wurde oft Wein gereicht, dem man wahre Wunderkräfte zuschrieb. Schon war auch bekannt, dass, wer an Leibesfülle zunehmen wollte, während des Essens trinken sollte, dagegen der, welcher Magerkeit erstrebte, sich nach beendigter Mahlzeit mit einem Becher be- gnügen musste. Zur Zeit des Tiberius begann man schon nüchtern Wein zu trinken, für ernste Männer, die mit klarem Verstande ihren Berufsgeschäften nachgehen wollten, eine sehr verderbliche Sitte.
„Durch den Wein sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die trinken ohne zu dürsten, dahin ist es bei uns gekommen, dass Trunksucht kein Laster ist, dessen man sich schämt, sondern dessen man sich rühmt“, ruft Plinius schmerzlich bewegt aus.„Der wird bewundert, welcher noch unverdrossen den Becher leert, wenn die Zechgenossen, von der Gewalt des Weines übermannt, sinnlos trunken am Boden liegen, und der als letzter am frühen Morgen sein faus aufsucht.“ So genoss
¹3) Mart X. 36 berichtet, dass dieser Mann sich nicht mehr in Rom blicken liess, um nicht gezwungen zu werden, seine eigenen Weine zu trinken. ¹6) Plinius XIV, 16, 17 u 28.


