Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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Novellius Torquatus beim Kaiser Tiberius grosses Ansehen, weil er drei Congien Wein auf einmal austrank, trotzdem niemals in der Rede stockte und den zum Munde ge-

und zwei Nächte unentwegt bei einem Trinkgelage aushielt, soll derselbe Herrscher als Preis für diese grosse Tat die Verwaltung der Stadt Rom übertragen haben. Des Tiberius Sohn Drusus teilte des Vaters Vorliebe für trunkfeste Männer. M. Cicero, der gewöhnlich zwei Congien trank, soll dem M. Agrippa in der Trunkenheit einen Becher an den Kopf geworfen haben, und M. Antonius trieb die Schamlosigkeit S0 weit, dass er zur Verteidigung seiner Unmässigkeit ein Buch über die Trunksucht verfasste, das er vor der Schlacht von Aktium vollendete. Genug der Beispiele! Wie viele Verbrechen sind begangen in sinnloser Trunkenheit! Manche Ehre ist befleckt, manches Manneswort gebrochen, manche Freundschaft vernichtet, manches wichtige Geheimnis ausgeplaudert durch den, der nicht Mass zu halten versteht im

dem Menschen in seiner Gier zu seinem eigenen Schaden genossen. Dieses Laster verwirrt des Menschen Verstand, schwächt seine Kräfte, raubt ihm die notwendige Tatkraft zum Guten und erweckt eine fast unbezwingliche Neigung zu allem Bösen in seiner Brust, es hat die Folge, dass die Gewohnheit des Trinkens die Begierde danach vermehrt, So dass die Worte des skythischen Gesandten allgemeine Gültigkeit haben:Je mehr die Parther trinken, desto mehr dürstet sie. 18)

lst der Wein,das Blut der Erde, unmässig genossen ein Gift für den Menschen, so kann man andererseits sagen, dass dem menschlichen Körper nichts mehr Kräfte verleihe als der mässige Genuss eines guten, reinen Weines. Dem Freigeborenen ist jede leichte kampanische Sorte, dem niederen Volke jede kräftige am Zuträglichsten. Er gibt dem Menschen Kraft, gutes Blut und frisches Aussehen, er labt Kranke, erquickt

Landmannes, wie die Tafel des Reichen, lässt das Her⸗z des Jünglings höher schlagen und das matte Auge des Greises aufleuchten. Wie die Natur dem Erdensohne den Olivenbaum gab,dass seine Gestalt schön werde vom Ol*, so gab sie ihm die Krone aller Pflanzen, den Weinstock,damit der Wein des Menschen Her⸗= erfreue.¹⁹)

Knochen verbarg er in dem Beinknochen eines Löwen und diesen wiederum in dem eines Esels. Dann pflanzte er die Rebe in den Boden. Die Frucht dieses Gewächses hat daher die merkwürdige Eigenschaft, dass der, welcher von ihrem Safte trinkt, zuerst munter wird, wie ein Vogel, dann mutig wie ein Löwe und sich

Schliesslich beträgt wie ein Esel.(Aus einem Vortrage des Prof. von Duhn in Heidelberg.) ²⁹) Psalm 104, 15.