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Die Weinsorten, welche alt werden sollten, wurden zur Zeit der Rosenblüte bei Nordwind von den Dolien und Serien abgezogen und in die gut ausgepichten Amphoren gefüllt. Mit den leichten Sorten wurde der Anfang gemacht. Jetzt bot sich noch Gelegenheit für den kundigen Besitzer feine Sorten mit einem kleinem Masse ganz besonders edlen alten Weines zu versetzen, wodurch ihnen Haltbarkeit verliehen wurde, anderen etwas defrutum zuzufügen oder ihnen einen erwünschten aromatischen Duft zu verleihen. Alsdann wurden die verkorkten, verpichten oder versiegelten Amphoren in die Rauchkammer oder Backstube gelegt, da man ein leichtes Durchräuchern, welches dem Weine die Eigenschaften des Alters mitteilen sollte, für dessen Geschmack notwendig hielt. Allzu starkes Räuchern, bei dem der in den porösen Thongefässen befindliche Wein einen Rauchgeschmack annehmen musste, wurde verworfen; bei schlechtem Verschlusse des Pfropfens konnte der Wein leicht verderben; er wurde ungesund und so eingedickt, dass er vor dem Gebrauche erst mit Wasser aufgelöst werden musste. Daher schaffte man die Amphoren nach einiger Zeit in die apotheca, einem Vorratsraume im oberen Teile des Hauses, wo sie von nun an lagerten, bis man sie auf die Tafel brachte.
Die meisten Weine schmeckten nach einigen Jahren am besten, manche erreichten den grössten Wohlgeschmack nach 6 Jahren, der Falerner galt am vorzüglichsten im Alter von 15— 20 Jahren. Einzelne Marken wurden um so höher geschätzt, je älter sie waren, so dass wir von dreissig- und vierzigjährigen Weinen hören, Plinius behauptet sogar, zweihundertjährigen Wein gekannt zu haben. Sehr alter Wein schmeckte nicht angenehm, er war herbe und bitter und galt als ungesund; um ihn wieder hell und flüssig zu machen, wurde er vor dem Trinken verdünnt. Überhaupt mussten die Weine der Römer, die entsprechend ihrer Behandlung sehr viele Hefe enthielten, durchgeseiht werden, wobei man sie häufig über aromatische Kräuter goss, oder die Seihe mit Fis und Schnee füllte, um ihr Feuer zu mildern. Wie man durch Zusätze auf die Farbe des Weines gewirkt hatte(Plinius unterscheidet weissen, gelben, rothen und schwarzen Wein), so scheute man sich auch nicht, das Alter des Weines willkürlich zu verändern, um höhere Preise zu erzielen. Auf den den gläsern Amphoren umgehängten Blättchen, oder bei der Bezeichnung, welche den thönernen eingeritzt war, fand man auch bei schlechten Weinen den Namen eines Konsuls, unter dem ein besonders gutes Weinjahr gewesen war, und die Wein- händler verstanden es vortrefflich, durch altes, verstaubtes Aussehen der Amphoren ein ungeübtes Auge irre zu führen. Zur Zeit des Plinius waren Betrügereien s0 häufig, dass er sagen konnte,„je unberühmter eine Sorte, desto reiner ist sie“. Wie hoch die Preise für alten Wein stiegen, erfahren wir von demselben Schrift- steller. Bei einem besonders üppigen(astmahle, so berichtet Plinius, sei für eine Amphora alten Weines der ausserordentliche Preis von 1000 Sesterzen(— 170 Mark) gezahlt worden. Die Viennenser, behauptet er, brächten ihre gepichten Weine zu noch höheren Preisen in den Handel, doch böten sie denselben aus Patriotismus nur ihren Landsleuten an.
Weinsorten und Weingenuss.
Wie alle andere Dinge unterlagen auch die Weine dem Wechsel der Zeit, der Mode und des Geschmackes. Niemand konnte sagen, welche unter den zahlreichen


