Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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oder Mastix überzogen wurden. Nun lagerte der Wein unberührt sechs und dreissig Tage lang; von diesem Zeitpunkte ab wurde er alle achtzehn Tage besichtigt. Doch durfte dieses Offnen nur bei heiterem flimmel, nicht bei Südwind und auch nicht bei Voll- mond geschehen.Wenn die Reben wieder blühen, rühret sich der Wein im Fasse, das wusste auch der römische Winzer. Zu dieser Zeit des Jahres bedurfte es der grössten Sorgfalt, zumal wenn grosse fitze herrschte. Mehr als gewöhnlich musste gelüftet, gereinigt und geräuchert werden, weil auf diesem Punkte seiner Entwickelung der junge Wein bei ungeeigneter Pflege nur zu leicht Blume und(eschmack verlor. Die Offnungen der Dolien wurden mit für jedes Fass eigener Bürste(scopulae, Cato 20) abgeputzt und dann mit Fichtenzapfen gerieben. Auf ungünstigem Boden gezogene Weine, denen man keine Haltbarkeit Zutraute, versetzte man mit Weinhefe besonders guter Sorten, die man zuvor zu kleinen Broden geformt, gedörrt, geröstet und als- dann fein zerrieben einstreute. Herber Wein wurde milde, wenn man mit sapa ver- mengtes ebenfalls in kleiner Brödchenform gedörrtes Ervenmehl hineinbröckelte und diese Mischung sechzig Tage ruhen liess. Ein etwa sich zeigender übler Geruch konnte durch einen pechbestrichenen, erhitzten Ziegelstein, den man an einem Faden in das Fass herabliess, noch beseitigt werden. Dem Geschmacke wurde in dieser Zeit mit defrutum, der Klärung mit gepulvertem Gypse oder Marmor nachgeholfen. Alsdann wurden die Fässer geschlossen gehalten. Geringere, leichtere Weine trank man gewöhnlich nach Verlauf eines Jahres. In Wirtschaften und städtischen Verkaufs- häusern schöpfte man sie gleich vom Fasse. Das Ausfüllen aus den feststehenden Dolien geschah vermutlich mit dem Heber, die beweglichen wurden nach vorn geneigt, und dann der Inhalt in kleinere(efässe gefüllt. In Kampanien und Apulien brachte man den Wein in Schläuchen(utres), die aus zusammengenähten mit Ol und Gummiharz verdichteten Thierhäuten bestanden, in die Städte. Die obere Oftnung war fest zugebunden, aus der unteren wurde der Wein auf Krüge abgezogen. Während des Feldzuges des Ptolemäus Philadelphus soll auf einem Wagen von 24 Fuss Länge und 17 Fuss Breite ein aus Pantherfellen gefertigter Riesenschlauch mit- geführt sein, der 3000 amphorae Wein fasste. Dieser wurde nach und nach für den Bedarf des Heeres abgelassen.*) In ältester Zeit brachte man auch den Wein in Schläuchen in das Speisezimmer und goss aus deren Offnung in das dargebotene Trinkgefäss des Gastes.

Diejenigen Weinbergbesitzer, die genügende Vorratsräume besassen, um den Wein ablagern zu können, waren so reichlich mit Fässern versehen, dass sie mit dem Verkaufe nicht eilten, sondern ihn alt werden liessen, um höhere Preise zu erzielen. War er jedoch verkauft, so erheischte die Sitte, dass der Verkäufer bei jedem culleus (= 20 amphorae 40 urnae) eine Urne guten Weines zugab. Nach drei Tagen wurde er von einem Vertrauensmanne gekostet. Erhob der Käufer in den nächsten Tagen keinen Einspruch, so galt der Wein als erprobt und musste von ihm ohne weiteres vor dem ersten Januar in Empfang genommen werden, doch konnte der Käufer von dem Besitzer einen Eid fordern, dass er ehrlich verfahren habe. Listige Weinhändler boten wohl den Kaufenden in ihrem Keller ein Frühstück von Nüssen und Käse an, wodurch ihr Geschmackssinn abgestumpft, und sie für etwaige Mängel der Weine unempfindlicher wurden.

³¹) Magerstedt p. 200.