Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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nachstehen. Wo Seewasser nicht zu haben war, half man sich mit abgekochtem Regen- oder Quellwasser, das fünf Jahre(?) vor dem Gebrauche hingestellt, vom Boden- satze abgegossen und auf ein Drittel eingekocht wurde. Dieses Wasser mit Salz

wie viel Salz seine Weine vertragen konnten. Uberhaupt war nach seiner Ansicht jedes Verstechen des Weines, sei es mit gewürztem Moste oder mit Seewasser nur bei geringeren Sorten anzuraten; jede edle Sorte musste rein und unvermischt bleiben, denn gerade dann ist sie am vorzüglichsten,wenn sie durch die nur sie kenn- zeichnenden Eigenschaften unsere Bewunderung erringt.

Andere Mittel, die auf Geschmack und Farbe wirken sollten, waren fein gepulverter Marmor, Thon, Kreide, Salz, Gyps, Kalk, gestossene Muscheln, Cedernäpfel, gebrannte Eicheln und Olivenkerne. Diese grösstenteils unlöslichen Zusatzmitte] dienten wohl nur zur Klärung, ebenso wie das Schönen mit Eiweiss und Schwefel, während das Löschen brennender Packeln oder das Eintauchen von glühendem Eisen im Moste demselben Haltbarkeit verleihen soöllte. Der Wein von Vienna in der provincia Narbonensis hatte einen natürlichen Pechgeschmack, der als gesund galt; um diesen nachzuahmen versetzte man den Wein nach dem Vorbilde der Allobroger, die sich des Rindenpechs(pix corticata, Colum. XII, 23) bedienten, entweder mit diesem in fein gepulvertem und zerriebenem Zustande oder mit geläutertem nemeturischem Peche. Nach dem Vermischen musste der Wein vierzehn Tage lang unberührt stehen bleiben. Sollte der Pechgeschmack nicht vorherrschen, so genügte auf eine Amphora eine halbe Unze Pech und zu demselben Masse ein Loth geriebenes Salz. Auch mit gepulvertem bruttischem Peche, mit geröstetem, feinem Salze, mit eingekochtem und mit Pech versetzatem Meerwasser, sogar mit frischem, rohem Harze der Weisstanne, Ceder und Cypresse wurde der im Anfange der Gährung befindliche Wein gemischt, trotzdem alle frischgeharzten Weine und alle mit Meerwasser angesetzten dem Magen und den Nerven sehr schädlich waren.¹) Die Griechen, denen die Pömer gern alle schlechten Eigenschaften andichteten, sollen die Erfinder einer wahren Kunst des Weinpanschens gewesen sein und zu diesem Zwecke eine Fülle von Rezepten und Anweisungen verfasst haben, die leider allzu häufig auch in ltalien nachgeahmt wurden. Wenig konnte es helfen, dass man mit Wasser gefälschten Wein zwar vermittels eines aus Epheuhol⸗z gefertigten Gefässes erkennen konnte, welches die merkwürdige Eigenschaft besass, den Wein durchfliessen zu lassen, das Wasser aber festzuhalten, viel schädlicher waren die mit allernand Künsteleien bereiteten Weine. Wie können wir uns wundern, ruft Plinius aus,dass solche Getränke nachteilig Rirken. Sollte nicht sogar ein Gesunder zurückschaudern vor einem Weine, der mit Gyps, Marmor und Kalk versetzt ist!

Ausser den Traubenweinen bereiteten die Römer noch alle Arten Obstweine, aus Apfeln, Birnen, Quitten, Feigen und RHollunderbeeren, ferner Palmwein, Hirsen-

) Crapula war der Name des gekochten Harzes, sowie die Bezeichnung des durch den Genuss dieses

Weines hervorgerufenen Zustandes, des Rausches. 2