Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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abgegossen auf ein anderes Gefäss abfüllte und dieses versiegelt in das Backhaus (furnus) legte. Von diesen feinen Süssweinen, die alle wenig Blume besassen, wurde bei den Mittags- und Abendmahlzeiten den Gästen vor dem Essen ein Becher zur Reizung des Appetits gereicht.. Zur Kelterung war eine 80 grosse Traubenmasse erforderlich, dass Zzwanzig Cullei Most auf einmal gepresst werden konnten.¹) Verfügte man über noch bedeutendere Traubenvorräte, so mussten gleichzeitig mehrere Pressen in Gang gesetzt werden. Die zertretenen Trauben wurden ein-, zuweilen auch zweimal gepresst. Selbst- verständlich lieferte die erste Pressung den besten Most. War die Presse zum ersten Male abgestellt, so wurde der Tresterkuchen, pes, aus Kernen, Kämmen und Bälgen bestehend, herausgenommen, die abstehenden Ränder, welche von dem Press- baume unversehrt geblieben waren, abgeschnitten, dazu gelegt und noch einmal durch- gepresst. Diese zweite Pressung lieferte einen geringen Most, der nicht mit dem

Verkaufe bestimmt, So führten ihn Händler in Schläuchen von Tierfellen, auf Maul- tieren, Eseln oder Karren in die Stadt,) andernfalls wurde er durch Rinnen in die im Nebenraume(Keller) tiefer stehenden Dolien und Serien geleitet oder mit den Most- krügen in dieselben gefüllt. Am I1. Oktober, den Meditrinalien, ward dann zugleich mit dem alten Weine der neue Wein gekostet. Indem man sich der heilenden Kraft des Weines dankbar erinnerte, sprach man dazu den Spruch: Novum vetus vinum bibo, novo veteri(vino) morbo medeor,Neuen Wein, alten Wein trinke ich, mit neuem Weine, altem Weine heil' ich mich. ³) Der verdorbene, zum Weine untaugliche Most, fand als Weinessig(acetum), der in der Küche, in der fHeilkunde und bei der Toilette unent- behrlich geworden war, seine Verwendung und wurde durch Zusätze von Essenzen und Gewürzen vielfach verbessert und verstärkt.

Der Rosinenwein(vinum passum), welcher zu den Süssweinen gehörte, wurde auf folgende Weise hergestellt: Die Beeren wurden entweder solange am

¹) 1 culleus= 20 amphorae, auch quadrantal genannt; l amphora= 2 urnae= 8 congii= 48 sextarii = 90 heminae= 102 quartarii= 384 acetabula= 576 cyathi nach Hultsch, Griechische und römische Metrologie, Berlin 1862. ³) Nach Preller, Römische Mythologie, p. 197 scheinen mit dem Einführen des ersten jungen Weines in die Stadt Feierlichkeiten verbunden gewesen zu sein. ³) Varro, l. 1 VI. 2 bei Preller, Röm Myth. I*, p. 197.