Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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gesuud. während die in gekochtem Regenwasser aufbew ahrten Zwar wenig schmack- h aft, aber der Gesundheit zuträglich waren.

Bedingung für die Haltbarkeit der Trauben, unter deren zahlreichen Sorten die venusianische, numisianische und duracinische zum Aufbewahren empfohlen wurden, war, dass sie nur von Weinstöcken aus trockenen Lagen genommen und nicht vorzehn Uhr morgens geschnitten wurden, damit kein Nachtthau mehr auf ihnen lag, sowie dass jede Traube einzeln gehängt oder gelegt wurde. Auch mussten sie vor völliger Reife abgenommen, und etwaige angefaulte Beeren ausgebrochen werden.

Nicht unerwähnt mag das Verfahren der Vokontier im narbonnensischen Gallien bleiben, die, etwa 14 Tage vor der Lese, die Stiele der hängenden Trauben einknickten oder verdrehten und die in der Nähe befindlichen Blätter abbrachen, so dass die Beeren langsam am Stocke abwelkten, um zu Süss- oder Rosinenweinen Verwendung zu finden.²)

Das Keltern.

In der Kelterstube(cella torcularia) wurden die Trauben in grosse Bottiche ge- schüttet, wo sie von Männern(torcularii, calcatores) zertreten wurden. Dieses Treten musste mit unverwundeten Füssen geschehen, sonst durfte der Wein ebenso wenig zu Opfern gebraucht werden wie der griechische, welcher mit Seewasser vermischt war, der Nachwein und der Wein, in welchen etwas Unreines gefallen war,²) oder der von einem Stocke stammte, neben welchem sich ein Mensch erhängt hatte. Der von überreifen Trauben vor dem TZertreten ausquellende Saft war ein besonders geschätzter Most, man nannte ihn protropus, Ausbruch. Er wurde sofort aus dem Kübel in eine gut verpichte Amphora gefüllt, die man ungefähr einen Monat lang oder bis zur Wintersonnenwende in einem kühlen Süsswasserteiche versenkte. Hier- durch verlor der süsse Most alle Neigung zum Gähren und erhielt sich unverändert im Geschmacke ein Jahr lang, so dass er Dauermostsemper mustum hiess. Tauchte man die Amphora in das Meer, so nahm der Most bald den Geschmack des Alters an und wurde Seewein, thalassites, genannt. Eine andere Art war, den Ausbruch in die Amphora zu füllen, in dieser ihn erst abgähren zu lassen und dann im folgenden Sommer das Gefäss vierzig Tage lang den heissen Sonnenstrahlen auszusetzen. Aus dem protropus bereitete man auch den beliebten Honigwein, mulsum, indem man auf eine halbe Amphora von Baumreben stammendem Moste zehn Pfund des besten Honigs mischte, die gut durcheinander gerührte Masse auf eine Flasche, lagoena, ³) abzog, diese wohlvergypst 32 Tage auf dem Boden ruhen liess, dann wieder vom Satze

²) Hamm, Weinbuch 3. Aufl. 1886 p. 318 bemerkt, dass noch heute die südfranzösischen Süssweine aus gewelkten Trockenbeeren bereitet werden. Nach von Martens, ltalien B. II p. 101 werden auch die Trauben des weissen Trebbiano Muskateller durch Einknicken und Verdrehen des Stieles am Stocke velk gemacht. ¹) Cato 18. 132. 134. 147. 154; Varro J, 54; Col. XII, 5. 30. 40. 4; Plin. XIV. 10, 11, 12, 23. XXIII. 27. Magerstedt, Weinbau d. R. ²) War eine Schlange oder eine Maus in den Most gefallen und darin ertrunken, so sollte das tote Thier verbrannt, und die erkaltete Asche unter Umrühren in das Fass gestreut werden. Dieses einfache Mittel würde, so meint Columella(XII. 31), sicher jeden üblen Geruch vertreiben. ³) lagoena, ein Gefäss mit engem Halse, weitem Bauche und zwei fienkeln aus Thon, Glas oder Weidengeflecht. Horaz, Satiren II 8, 41; Col. XII 45. Bei Rich p 330 Abbildung nach einem Originale aus gebranntem Thone, welches der Beschreibung bei Apul. Met. II und Col. X, 381 387 entspricht. Das Städt. Altertumsmuseum zu Frank- furt a. M. besitzt mehrere Gefässe dieser Art aus hellgrünem und bläulichem schimmerndem Kunstglase, velche teilweise bei Heddernheim gefunden worden sind.