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andererseits setzte die ungeheuere Länge des Pressbaumes(Cato verlangte 25 Fuss) einen sehr grossen Kelterraum voraus. Plinius berichtet, dass seit etwa 100 Jahren die griechische Presse eingeführt sei, bei welcher der Pressbaum nicht durch Flaschen- zug und Winde bewegt, sondern durch eine Schraube niedergedrückt und das Gewicht des Baumes durch angehängte Steinkisten vermehrt wurde. Diese Presse erfuhr mit der Zeit eine bedeutende Verbesserung. Man erfand die Schraubenpresse, bei welcher der Baum feststand, von ihm aus drückten die Schrauben auf die flachen Bretter, welche die Früchte bedeckten. Die ganze Maschine war verkürzt, leichter zu hand- haben und erfüllte ihren Zweck durch starken, gleichmässigen Druck von der Mitte aus ebenso gut wie der unförmige Balken.¹³⁵) Aus der Presse lief ein Ausguss in die Kufen, deren gemauerte Wände mit Mörtel geglättet waren. In diesen verblieb der Most die ersten neun Tage.
Die Weinlese.)
Wenn auch die Lese in den verschiedenen Gegenden Ütaliens, je nach dem Klima und der Witterung zu verschiedener Zeit ihren Anfang nahm, so galten im allgemeinen die 44 Tage von der Herbstgleiche bis zum Untergange der Vergilien als Lesezeit. Die völlige Traubenreife, welche zur Erzielung eines guten Weines Hauptbedingung ist, trat in warmen Gegenden Ende September, in kalten jedoch erst Ende Oktober ein. Um sie zu erkennen prüfte man die Kerne, welche vor Sonne und Licht im Inneren der Beere versteckt, in ihrer schwarzen oder tiefdunkeln Färbung das untrüglichste Zeichen gaben, während goldgelber, rötlicher oder durchsichtiger Glanz der Trauben ebenso täuschen konnte, wie der Geschmack. Es gab Arten, wie die frühreifenden schwarzen, die niemals durchsichtig, andere, die niemals süss wurden und doch reif waren. Da manche Weinstöõcke die Blätter frühzeitig verloren, konnte auch das Abfallen des Laubes nicht massgebend sein. In kleineren Rebanlagen vermochte man wohl die Reife durch Bestäuben mit Erde oder Kalk zu beschleunigen, ein Verfahren, das zwar den Trauben sehr heilsam, in grossen Weinbergen aber allzu zeitraubend war. Jedenfalls galt es als Regel, lieber überreife als unreife Trauben zu lesen, aus den für die Weinbereitung bestimmten Früchten die unreifen für den Gesindewein auszusondern und zu den guten Weinen sogar die einzelnen unreifen oder faulen Beeren aus den Trauben herauszupflücken. Edlen Wein gewann man nur aus gleich- mässig reifen, guten Trauben. Ebenso sollten die verschiedenen Traubensorten eines Weinberges niemals in der Kelter vermischt werden und die dunkeln von den hellen getrennt bleiben.
Die Weinlese, vindemia, war eine Freudenzeit. Von den Rebhügeln herab, aus den Arbusten und Gärten, aus den Laubengängen und Weinfeldern tönte frohes Jauchzen, lautes Jubeln, scherzhafter Gesang. Beamte, Kaufherrn und Senatoren verliessen zu dieser Zeit die Stadt und mischten sich unter das muntere Land- volk, mit ihm in tollen Spässen wetteifernd..) Der Gutsherr kam mit seiner
¹3) Rich p. 637 gibt eine Abbildung nach einem pompejanischen Gemälde, das eine nach demselben Systeme gearbeitete Zeugpresse darstellt. 1) Cato 7. 23. 147; Varro I, 54; Col. II, 22. III, 2. XII, 43; Plin. XIV, 3. Magerstedt, Weinbau d. R. ²) Im September und Oktober waren für den Senat und die Gerichte Ferien. Preller, Röm. Myth. IIs, 52; Sueton, Octavian 35; Minucius Felix Octavian II, 3; Tacitus Annales XI, 31.


