Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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heiss war, dass man ihn nicht mehr mit der Hand berühren konnte. Wieder umgekehrt, wurde heisses Pech hineingegossen und das Gefäss so lange nach der Seite gewälzt, bis die Innenwandung gleichmässig mit Pech überzogen war. Zur Verbesserung des Weingeschmackes wurde dem gewöhnlichen Peche ein Fünttel bruttisches Pech,

während gewöhnliches Wachs, das den Wein säuern sollte, verworfen wurde. Mit dem Verpichen der Fässer musste der Verwalter frühzeitig fertig sein, dennkalt gepicht, taugt nicht. Um die Thonfässer vor allzu leichter Beschädigung zu schützen, waren sie mit Reifen von Blei, Eichenholz oder trockenen Weinranken versehen, wurden sie dennoch abgestossen, so musste ein Kitt von Wachs, Farz, Schwefel und pulverisiertem Gypse als Pflaster auf die schadhafte Stelle gestrichen werden. Damit die Ausbesserung nicht auffiel. wurde sie mit einem aus Kalk und rohem ungebrannten Thone bestehenden Farbmittel überzogen.

In dem meistens sehr geräumigen Kelterraume(torcularium, pressorium) sollten ausser den in Gang befindlichen Pressen immer noch einige überflüssige stehen, die im Falle, dass die gerade gebrauchten zerbrachen, benutzt werden konnten. Die Presse der ältesten Zeit war höchst einfach. Ursprünglich bestand sie wohl nur aus einem mächtigen Steine, der vermittels fiebebaumes auf die Traubenmasse gedrückt wurde, die, um das Ausweichen nach den Seiten zu verhüten, zwischen Latten oder in einem Korbe sich befand. Doch schon zu Catos Zeit war eine richtige Maschine erfunden, die durch einen Pressbaum(prelum) wirkte, welcher mit Stricken, die auf einer Winde liefen, auf die zu zerquetschende Fruchtmasse herabgelassen wurde.¹) Dieser Pressbaum war entweder mit der Zunge(lingula) in einem starken pfeiler befestigt(wie in der Kelter von Gragnano), oder man brachte nach Catos Vorschrift zwei Pfeiler an, welche in ihrer Mitte den Pressbaum hielten. Da der Hauptdruck des Baumes, der, an dem einen Ende niedergezogen, sich mit dem anderen in die flöhe zu heben trachtet, hauptsächlich auf diesen Teil der Maschine ausgeübt wurde, so mussten die beiden Pfeiler besonders tief in den Boden eingerammt sein, wohl auch unterhalb desselben durch einen Querbalken befestigt oder durch Starke eiserne Krampen gehalten werden. Es konnte sonst vorkommen, dass sie durch die Wucht des niedergehenden Baumes aus ihrem Standorte herausgerissen wurden. An dem diesen Pfeilern entgegengesetzten Ende des Pressbaumes standen in etwas grösserem Abstande von einander zwei Pfosten(stipites), die in der gleichen Weise in den Boden eingerammt, oben durch einen Querbalken verbunden waren. Zwischen ihnen befand sich die Winde. Am Querbalken war der Flaschenzug mit einem von dem Ende des Pressbaumes auslaufenden, durch denselben hindurchgezogenen Stricke. Der Pressbaum wurde durch den Flaschenzug in die Höhe gehoben, der mit einem flachen Brette bedeckte grosse Korb mit zertretenen Trauben auf das Bett(area) gestellt, dann der Baum herabgelassen und mit Hülfe der Winde fest auf die Trauben gedrückt, bis aller Saft herausgeflossen war.

Die oben beschriebene, meistens aus dem Holze der schwarzen Tanne gebaute Maschine hatte mancherlei Nachteile. Einerseits war sie schwer zu handhaben,

¹⁴) Cato XVIII beschreibt ausführlich den Bau einer Kelter mit 4 Pressen Wir folgen der Darstellung bei Rich p. 630 u. 637. Ziemlich bedeutende Überbleibsel einer Presse fand man in einem Kelterhause in

Gragnano, dem alten Stabiae. 6