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Die meisten Gerätschaften hatten Formen, die den noch heute auf dem Lande üblichen sehr ähnlich sind. Die aus Weiden, Binsen, Pfriemenkraut(spartum) oder Sprossen geflochtenen Körbe waren kegelförmig gestaltet. Je nach der Grösse oder Art des Geflechtes hiessen sie corbes, corbulae, wie die Körbe aus Ameria in Um- brien, fisci, fiscinae, wie sie in Campanien und zu Rom angefertigt wurden, oder quali, quasilli, die in der Landwirtschaft ebenso wie im Hauswesen Verwendung fanden.“) Zum Tragen der Trauben in die Kelter dienten aus einem ausgehöhlten Holzstücke gefertigte Wannen(alvei), Mulden(lintres) oder Schiffchen(naviae) von verschiedener Grösse. Den Körben ähnlich in der Form waren die ebenfalls aus Weiden, Binsen oder Spartum geflochtenen Seihen(cola), welche sowohl zum Fil- trieren des aus der Presse herauslaufenden Saftes, als auch zum Abschöpfen des Schaumes und zur Beseitigung etwaiger an der Oberfläche des gährenden Mostes schwimmender unreiner Gegenstände gebraucht wurden. Allzu schwache Weine, deren Geschmack man verbessern wollte, wurden durch die mit aromatischen Kräutern gefüllte Seine gegossen, während man die berauschende Kraft allzustarker durch langsames Filtrieren zu mildern suchte. Demselben Zwecke diente der leinene FPiltersack(saccus vinarius), der beim Landvolke im Gebrauche, für edle Sorten von Kennern verworfen wurde, weil der unangenehme Geschmack der Sackleinwand sich leicht dem Weine mitteilte.!) Diese Korb- und Leinenseihen wurden bei reichen Weingutsbesitzern vielfach durch metallene ersetzt(colum vinarium), die der Be- quemlichkeit halber mit Griffen oder Henkeln versehen waren. In späterer Zeit waren silberne Seihen nichts Seltenes.“) Indem man über die mit Schnee gefüllten Seihen den Wein goss, erhielt man auch im Sommer ein kühlendes Getränk. Kaiser Nero soll zuerst den Schnee, der durch den Transport und die Aufbewahrung nicht selten ver- unreinigt wurde, durch Eis ersetzt haben. Zu diesem Zwecke wurde abgekochtes Wasser in Schnee gestellt, bis es gefror, dann legte man die sauberen Eisstückchen in die Seihe. Diesen uns sehr unschuldig erscheinenden Luxus tadeln Seneca und plinius. Sie beklagen die verweichlichten und genusssüchtigen Zeitgenossen, die niemals zufrieden mit den Gaben der Natur den Lauf der Jahreszeiten verdrehen und ihren Gaumen im Sommer mit den Genüssen des Winters kitzeln wollen.“) Zum Trocknen der Trauben, aus welchen Rosinenwein oder imitierter griechischer Wein hergestellt wurde, dienten Horden aus Flechtwerk(crates), auf welchen die Trauben drei bis vier Tage der Sonne ausgesetzt wurden. Um den Most aus dem Bottich in die Fässer zu füllen, gebrauchte man Mostkrüge(urcei mustarii) aus gebranntem Thone, oder Spartamphoren, die entweder aus Spartum geflochten und verpicht, oder aus Thon gefertigt und nur der Haltbarkeit wegen mit Spartum überzogen waren.— Eine besonders mühevolle Arbeit war das Auspichen der verschieden gestalteten Fässer, von denen die grössere Form dolium, die kleinere seria hiess. Während man sich in kälteren Gegenden, am Fusse der Alpen und in Gallien
³) Rich, Wörterbuch der römischen Altertümer p. 180 giebt eine Abbildung eines Korbes nach einem Freskogemälde in dem Grabmale der Nasonischen Familie an der Flaminischen Strasse bei Rom; ein Korb von genau derselben Form und demselben Materiale findet sich noch heute bei dem neapolitanischen Landvolke. *) Martial XIV, 103. ³) Rich, p. 173 bringt die Abbildung einer in Pompeii gefundenen Seihe; im Stäcdt. Altertumsmuseum zu Frankfurt a. M. befindet sich eine Seihe aus Bronze mit sehr feinen Löchern und langem Stiele, bei Köln gefunden.*) Seneca, Quaest. natur. IV, 13; Plinius XIX, 4. 6


