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nicht seltenen Eindringen der gefrässigen Hühner schützen sollte. Auch war es auf Gütern, die nicht über eine genügende Sklavenzahl verfügten, notwendig, jetzt schon Tagelöhner(operarii) zu dingen. Nicht wie bei der Wahl eines Ochsenknechtes, der sich durch Körperkräfte auszeichnen sollte, musste der Verwalter seinen Blick auf grosse Leute richten; denn wenn auch breitschultrige, starke Männer sich besonders gut zum Behacken und Beschneiden der Rebpflanzungen eigneten, so war doch für einen Winzer Intelligenz die Hauptbedingung. Ein Mann von leichter Auffassungs- gabe und raschem Verständnisse für erteilte Befehle eignete sich am besten. Da sich S0 aufgeweckte Burschen häufig unter den gefesselten Sklaven(compediti) befanden, so empfiehlt Columella dieselben als gute Winzer um s0 mehr, da im Weinberge durch die Gruppenarbeit für UÜberwachung des einzelnen besser gesorgt war, als bei der Ausübung manches anderen ländlichen Geschäftes.²)
Das Instandsetzen der zahlreichen, zur Weinbereitung notwendigen Gerät- schaften war eine so zeitraubende Arbeit, dass der Verwalter, unterstützt von der Haushälterin, damit schon dreissig bis vierzig Tage vor der Lese begann. Da die Trauben zur Schonung des Stockes nicht gebrochen, sondern geschnitten wurden, mussten Rebmesser angeschafft oder ersetzt werden. Die Körbe, deren man zum Fortschaffen der Früchte bedurfte, wurden ausgebessert und mit Bändern und Henkeln versehen, Mulden und Seihen mussten in genügender Anzahl zur Stelle sein.*) Dann waren der Kelterraum, die Pressen mit allem Zubehör, die Kufen, Bottiche, Fässer und Krüge, sowie jedes Gefäss, das man zur Weinbereitung benötigte, zu reinigen. Diese vorbereitende Arbeit galt als sehr wichtig, zur rechten Zeit versäumt, konnte sie, wie die meisten ländlichen Arbeiten, nicht wieder eingeholt werden. Nicht allein, dass der Most in unreinen Behältern leicht verdarb, sondern auch, dass die Haushälterin (villica) durch ein etwaiges Entfernen von der Kelter erwünschte Gelegenheit zu Diebstahl und Unterschleif gab, musste die Veranlassung zu grösster Reinlichkeit und Ordnung sein. Aus dem Kelterraume und dem Keller wurden alle unnötigen oder riechenden Gegenstände verbannt, ein etwa vorhandener hässlicher Geruch durch Lüften, Scheuern und Ausräuchern mit wohlriechenden Stoffen vertrieben; das zum Einkochen des Mostes nötige Brennholz wurde beschafft, die Winden der Pressen wurden nachgesehen, neue Taue an denselben angebracht, Salz und Gewürze ein- gekauft. Sodann wusch man alle Körbe, Mulden, Seihen, Rührlöffel, Mostkrüge, Kübel und Bottiche, die zum Kochen notwendigen ehernen Kessel, die noch unver- pichten Dolien und Serien mit Meerwasser oder, wenn dieses fehlte, mit Süsswasser aus. Aus diesen mit grösster Sorgfalt gereinigten Gefässen opferten der Verwalter(villicus) und die Haushälterin mit reinem Gemüte dem Liber und der Libera die schuldigen Spenden.)
³) Col. I, 9 ¹) Cato I1 rechnet auf eine Weinpflanzung von 100 iugera: 3 Pressen, so viele Fässer, dass sie 800 cullei fassen können, 20 Fässer für die Trester, 6 Urnen und 4 Amphoren von Spartum, 10 Most- krüge, 40 Tröge von Holz, 40 Schaufeln von Holz. 2 Mulden, 6 Seihen v. 2 Grössen, 6 Weinhippen, 5 Reb- messer, 2 eherne Kessel mit Deckel zu je 1 culleus. Bei Praunheim wurden kurze, sichelförmige eiserne Messer gefunden,(falx vineatica oder f. scirpicula b. Cato) ebenso eiserne Scheeren, unter denen sich un- schwer Werkzeuge für den Baum- oder Rebschnitt erkennen lassen. Dieselben befinden sich im Städt. Alter- tumsmuseum Frankfurt a. M.*) Liber Pater altitalische Gottheit,„Der Befreier“, Gott des heiteren Scherzes und der Ausgelassenheit, mit dem griechischen Dionysos identifiziert, wie die Libera mit der Persephone. Beide galten als Beschützer aller Fruchtbarkeit und als Freudenspender, sie wurden besonders auf dem Lande zur Zeit der Weinlese verehrt. In Lavinium war ein voller Monat dem Liber heilig, während dessen Dauer ausgelassene Spässe erlaubt waren. Preller, Röm. Myth. B., 197, IIs, 40 u. 53.


