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die Triebe, welche nicht Früchte versprachen, ausbrach, eine Arbeit, die im Gegensatze zum Beschneiden mit der Hand und nicht mit dem Rebmesser ausgeführt werden musste, damit der Weinstock nicht zu viele Wunden erhielt, die im Sommer nur schwer heilen. Unter den bei der Sommerpflege vorkommenden Arbeiten ist dieses Ausbrechen der jungen Triebe, welches man in Deutschland auch Quästen und Jäten, in Frankreich ébourgeonage nennt, überall da bekannt, wo der römische Einfluss sich noch heute geltend macht, vor allem auch im heutigen ltalien und in Ungarn.
Eine dem Abbrechen verwandte Arbeit ist das Ablauben, welches je nach den klimatischen Verhältnissen verschieden ausgeübt wurde. Während man in sehr heissen Gegenden vie in Afrika und in Bätika, wo der Weinstock vor Hfitze fast verdorrt, demselben nicht nur alle Blätter liess, Sondern ihn sogar noch mit Laub und Matten bedeckte, wurde in kalten und feuchten Lagen der Stock fast allen Laubes beraubt, So wurden in der Umgegend von Rom, das wegen seines regnerischen Klimas im Altertume berüchtigt war, die Weinstöcke stark entblättert, um ein Durchkochen der Trauben zu erleichtern. Bei kriechenden Rebpflanzungen liess man zum Schutze gegen Wind und Wild das Laubwerk unberührt. Im allgemeinen galt als Regel zu blatten, wenn der Stock Gescheine ansetzte, d. i. in der ersten Hälfte des Mai(Pampinatio verna) und später nach der Blüte vor der Reife der Früchte(pampinatio autumnalis), dagegen den Weinberg während der Blütezeit unberührt zu lassen. Ein Arbeiter wurde für ausreichend erachtet, um einen Juger täglich abzulauben.
Vorbereitung zur Weinlese.)
Wenn der Winzer in den Frühlings- und Sommermonaten keine Arbeit gescheut nat, um seinem Weinberge die ihm nötige Pflege angedeihen zu lassen, So hat er getan, was er vermochte, um eine reichliche Ernte zu erzielen. Doch es liegt nicht in seiner Macht, dass dieselbe auch wirklich seiner Mühe Lohn verde. Regen während der Blüte, andauernde Dürre, starkée Unwetter mit Hagelschlag, Ungeziefer und Brand(carbunculatio) der Trauben haben schon oft die schönsten Hoffnungen des Menschen zu nichte gemacht. Weil keine ländliche Arbeit ohne den Segen der Gott- heit gedeihen konnte, hatten die Römer der älteren Zeit am 23. April die ersten, am 19. August die zweiten Vinalien angesetzt, welche dem Jupiter Liber und der Venus, der Be- schützerin der jüngeren Weine, geweiht waren. Die zweiten Vinalien waren eine Vorfeier und das Zeichen der Eröffnung der beginnenden Weinlese, welche Ende September ihren Anfang nahm. Der Flamen Dialis, der Priester des Jupiter, schnitt einige Trauben ab und brachte, nachdem er feierlich zur Weinlese aufgerufen hatte, dem Gotte ein weibliches Lamm zum Opfer dar. In den Weinpflanzungen der Tuskulaner War das ausdrückliche Verbot angeschlagen, Wein zur Stadt zu bringen, ehe die Vinalien ausgerufen waren.*)
Ungefähr zwei Monate Vor der Lese wurden die Weinbergshäuschen(cabannae) hergerichtet, leichte Hütten, die gross genug waren, einem Manne Unterschlupf zu gewähren, welcher die reifende Frucht vor Dieben und dem in der Nähe von Villen
¹) Cato 11, 12, 18, 39,135. Varro J, 22; Col. I. 0. XIl, 18; Plin. XVIII. 74, XIX. 7. ²) Preller, Röm. Mythologie, 3. Aufl. 1881, p. 196. Magerstedt, Der Weinbau der Römer. p. 168.


