Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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Die Wurzelräumung.)

Noch vor Eintritt des Winters begannen vom 15. Oktober an die Räumungs- arbeiten(ablaqueatio). Die zarten, flach an der Oberfläche laufenden Sommer- wurzeln(aestivae radiculae), bei uns auch Thauwurzeln genannt, die das Wachstum der unteren kräftigen Wurzeln behindern, wurden bis zu einer Tiefe von 1 ½ Fuss mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Damit nicht das in den nun frei gewordenen Wurzelrinnen sich leicht sammelnde Wasser dem Stamme schade, damit ferner ein Wiederausschlagen der Wurzeln nicht ermöglicht werde, kürzte man erst in fingerbreiter Entfernung von dem Stamme die Thauwurzeln ein. Um der Luft den Zutritt zu den unteren Wurzeln zu gewähren, liess man bei mildem Winter die Räumungsgruben offen, trat aber starkes Frostwetter ein, so wurden dieselben vom 13. Dezember an zugeworfen und geebnet, nachdem zum Schutze gegen die Kälte etwas Mist auf die Wurzeln geworfen war. Hiatte man in den ersten fünf Jahren die jungen Stöcke regelmässig im Herbste von den Thauwurzeln befreit, so Wurden von da ab nur alle drei Jahre die Räumungsarbeiten vorgenommen, weil bei den älteren Stämmen die Wurzeln nicht so schnell wie bei den jungen wieder- wachsen. Auch die Befürchtung, es könnten durch zu häufiges Beschneiden die Stöcke selbst verletzt werden, gab die Veranlassung, dass das Beschneiden der Wurzeln in grösseren Zwischenräumen Stattfand. Die Wurzelräumung wie sie Columella beschreibt, entspricht von unseren Räumungsarten am meisten dem sogenanntenAufziehen, bei dem die oberen Wurzeln entblösst und dadurch zum Verdorren gebracht werden. Die im Laufe des Sommers sich neu bildenden Thauwurzeln werden dann im darauf folgenden Frühlinge wieder entfernt. Die in vielen Gegenden der Rheinpfalz übliche Düngungsart, bei der über einen Fuss tiefe Gruben um die Weinstöcke gemacht und alle Wurzeln in diesem Raume beseitigt werden, hat den gleichen Erfolg wie das Verfahren der Römer. Der Wurzelzug geht nach unten, wodurch das Gedeihen der Rebe weniger von dem Wechsel der Witterung abhängig ist. Der Zusammenhang des pfälzischen Weinbaues mit dem altrömischen, auf den schon wiederholt hingewiesen wurde, tritt auch hier zu Tage. Dass die Räumungsarbeiten, welche in dem warmen ltalien im Spätherbste ausgeführt werden Kkonnten, in unseren nordischen Gegenden erst im Frühjahre vorgenommen werden, erklärt sich aus der Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse. Die bei uns im Anfange des Winters herrschende Nässe würde auch diese Bodenbearbeitung überaus erschweren.

Die Breche.)

Die Breche(pampinatio) bestand aus dem Abbrechen der überflüssigen grünen Triebe und aus dem Ablauben der zu- Zahlreichen Blätter. Der Zweck derselben war, den fruchttragenden Rebschossen möglichst viele Nahrungssäfte zuzuführen und die Früchte ebenso wie den Erdboden den Sonnenstrahlen auszusetzen. Bereits wenn der Rebstock Schossen getrieben hatte, begann die Arbeit des Brechers(pampinator), der

²) Cato 33; Vergil G II 354; Col IV, 8 u. 24; Rlinius XVII, 47; XVIII. 75; Palladius IV, 7; Xl, 5; Geoponica V, 10. ¹) Cato 33; Varro I, 31; Vergil G Il 408; Col. IV. 6, 17 u. 27; V. 3; Xl 2; de arb. 11. Plin. XVII, 67 u. 75; Pall. l 6; Geoponica III, 3.