Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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geradlinigen Wegen durchnittenen wohlgepflegten Rebpflanzungeu gewährten auch einen angenehmen Anblick, so dass der vorübergehende Wanderer mit Wohlgefallen erkennen musste, dass die Hand eines ordnungliebenden Herrn den Weinberg re- giert. Da die Auswahl der Reben zu den schwierigsten Geschäften beim Weinbau gehört, so sollte der(Gutsherr selbst sich dieser Arbeit unterziehen und sie nicht einem unerfahrenen Arbeiter anvertrauen. Nicht jede Jahreszeit eignet sich zur Be- urteilung der Rebpflanzen. Wenn die Ahnlichkeit der Farbe, des Stammes und der Zweige eine Unterscheidung erschwert, so muss man warten, bis die Blätter und die reifen Früchte den Unterschied erkennen lassen.

Die Zahl der Rebsorten, von denen bereits Mago einige namhaft macht, war durch die entwickelte Rebenkultur so gross geworden, das Vergil sagen konnte, es sei nicht schwieriger, die Sandkörner der libyschen Wüste, die vom Winde aufge- weht werden, zu zählen, als die Zahl der edlen Weine anzuführen, die der Götter Huld dem Menschen gegeben habe. Zwar glaubte Demokrit alle in Griechenland vor- Kkommenden Weine zu kennen, aber Plinius hielt ein solches Unterfangen für unmöglich. In seinen Angaben beschränkte sich dieser daher auf die berühmtesten oder ver- breitetsten der achtzig ihm bekannten Traubenarten, von denen zwei Drittel auf ltalien kamen. Nicht allein schien es ihm sehr schwierig, die Namen der Arten festzustellen da häufig ein und derselbe Weinstock in verschiedenen Gegenden ver- schieden benannt wird, und es vorkommt, dass schon beim Nachbarvolke die Be- zeichnung eine andere ist, sondern auch der Weinstock hängt so eng mit dem Boden und dem Klima zusammen, dass eine edle Traubensorte, die im heimatlichen Boden köst- lichen Wein lieferte, unter einen anderen Himmelstrich versetzt, ihre Natur so veränderte, dass der nun efzielte geringe Trank die edle Abkunft nicht mehr erkennen liess. Nur auf bestimmtem Boden und unter bestimmten Voraussetzungen reifte die von den tauromeni- tanischen Hügeln stammende Traube zum edleneugeneischen in den Albanerbergen.

Die allobrogische Traube, vitis Allobrogica, hatte nur in der Heimat den ihr eigenen Geschmack, der sie zu den besten Weinen erhob, verpflanzt änderte sie sich ebenso wie die rhätische, v. raetica, doch ersetzte sie dann durch Fruchtbarkeit, was sie an Güte verlor. Während die verpflanzte allobrogische Traube sich auch für kalte Gegenden eignete, gedieh die rhätische nur in gemässigtem, die eugeneische nur in warmem Klima.

Nach dem Vorgange des Celsus teilte Columella die Reben in drei Klassen ein. Von den Weinen ersten Ranges, primae notae, führt er drei Hauptsorten an, die in ltalien einhneimisch und ihm eigentümlich waren. 1. Die schon von Cato erwähnte amineische Traube, aminea vitis, die in Italien vornehmlich an Bäumen gezogen wurde. Ihre Beeren reiften am frühesten, faulten aber auch leicht. Ihr Wein übertraf den aller anderen an Wohlgeschmack. Man unterschied fünf verschiedene Arten: Die echte kleinere, germana minor, die echte grössere, germana maior, die grössere und die kleinere Zwillingstraube, gemella maior et minor, so genannt, weil stets zwei Trauben neben einander standen, schliesslich die wollige, lanata, die ihren Namen von den dicken Blättern führte. 2. Die nomentanische Traube, v. Nomentana, mit rötlichem Holze und kleinen Beeren, die bei grosser Hitze leicht vertrockneten, so dass diese, die amineische an Fruchtbarkeit übertreffende Traube, sich besser für kühle und feuchte Gegenden eignete, zumal sie Regen und Wind vertragen konnte. 3. Die apianische Traube, v. apiana, ein Muskateller, dessen frühreifende Beeren mit Vorliebe