Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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nicht zu gleicher Zeit blünen und reifen, So werden mit den Frühtrauben die noch unreifen Spättrauben sehr zum Schaden des Weines gelesen. Wartet man dagegen die Reife der Spättrauben ab, so gehen die Frühtrauben durch Regen und Wind verloren oder werden eine Beute der Vögel. Bei dem mangelhaften Verständnisse der Arbeiter aber wird eine sorgfältige Auslese der reifen Trauben nicht durchzuführen sein. Da bei der Vermischung der Traubensorten der Wein nicht haltbar ist, So muss der Winzer zu seinem Nachteile den Most sofort verkaufen, während er einen weit nöheren Preis erzielen würde, wenn der Wein wenigstens bis zum Sommer liegen könnte. Da ferner die gleichen Rebsorten auch eine gleichartige Behandlung im Rebschnitte erfordern, so ist es für den Winzer eine erhebliche Erleichterung, die Reben derselben Art, die beim gemischten Satze im ganzen Weinberge zerstreut stehen, an einem Orte vereinigt zu haben. Da das Schneiteln zu einer Zeit in Angriff genommen wird. wo der Stock noch ohne Blätter ist, So würde überdies nur bei einer Scheidung der Sorten der Satz sicher zu erkennen sein. Schliesslich erzielt man auch bei getrennten Abteilungen für die verschiedenen Traubenarten Ersparnis an Zeit und Kosten. Da die gesamte Ernte nicht innerhalb weniger Tage eingeheimst werden muss, sondern die Lese in einzelnen Abschnitten erfolgen kann, so vermag der Besitzer des Weinberges mit einer kleinen Zahl Arbeiter auszukommen, ein nicht zu unterschätzender Vorteil bei dem Mangel an geeigneten Arbeitskräften. Von dem verhältnismässig hohen Standpunkte des römischen Weinbaues legt diese Ausscheidung der Traubensorten Zeugnis ab. In der neueren Zeit begann man zuerst in den besseren Gegenden der nördlichen Weinzone die Zweckmässigkeit dieses Verfahrens einzusehen. Da in dem kälteren Klima, das dem Weinbau weniger günstig ist, manche Trauben die erforderliche Reife nicht erreichten, so machte sich hier am ehesten das Bedürfnis geltend, eine Auswahl der Rebsorten zu treffen. Wie unsere Weinbauern sich nur mit Widerstreben von der Zweckmässigkeit des reinen Satzes überzeugen liessen, so fand dieser auch bei den römischen Winzern durchaus nicht allgemeine Anerkennung. Für den Fall, dass die Scheidung der Rebsorten nicht durchgeführt werden sollte, empfiehlt Columella wenigstens Trauben von ähnlichem Geschmacke und annähernd gleichzeitiger Reife zusammenzusetzen. Die Nachteile des gemischten Satzes konnten somit auf ein Mindermass beschränkt werden. Wurde die Mischung mehrerer Traubensorten in ein und demselben Rebstücke als unzweckmässig verworfen, so hielt man es dagegen für vorteilhaft, auf demselben Weingute mehrere Abteilungen verschiedenartiger Rebgattungen zu besitzen, um nicht bei ungünstiger Witterung eine völlige Missernte zu erleiden. Enthielt der Weinberg nur Stöcke, die der Feuchtigkeit bedürfen, so konnte bei anhaltender Trockenheit ein günstiger Ertrag nicht erwartet werden, und umgekehrt mussten bei anhaltendem Regenwetter Weinstöcke, die Trockenheit verlangen, ernstlich gefährdet sein. Waren dagegen mehrere Rebsorten angebaut, so brauchte man nicht bei dauernder flitze oder Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit für das gesamte Jahreswachstum in Besorgnis zu sein. Beschränkung wurde aber auch hier eindringlich angeraten. Auf nicht zu umfangreichen Weingütern genügte es vier bis fünf Sorten anzupflanzen, die, wie die Erfahrung lehrte, sich für die Gegend besonders eigneten. Nicht nur praktische Gründe sprachen dafür, die einzelnen Felder(horti) durch schmale und breite Wege(decumani und cardines) zu scheiden, die nach den Himmelsrichtungen limitiert waren ebenso wie die Getreidefluren, die Stadt und das templum. Die von

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