Aufsatz 
Weinbau und Weinbereitung der Römer / von F. Orth
Entstehung
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liegenden Weinberge höhere Erträge erzielten, dagegen die südliche Lage die beste Qualität liefere, während nach Demokrit bei nordöstlicher Richtung die Trauben am schmackhaftesten werden. Eine allgemein gültige Regel konnte nicht aufgestellt werden. Dass ausser der Bodenbeschaffenheit und der Lage des Weinbergs die Reb- sorten ausschlaggebend seien, erkennen alle Agrarschriftsteller an. Die der Lage und Bodenart angemessensten Sorten auszuwählen, war die Sache des verständigen Winzers, der sich dieser wichtigen Arbeit mit Vorsicht und Sorgfalt unterziehen musste.

Auswahl des Satzes und Rebsorten.

Zur Weinbereitung sind nach Columella Rebsorten auszusuchen, die stark treiben und viel Holz haben. Jenes vermehrt die Einkünfte des Besitzers, dieses sichert die Dauer des Satzes. Die besten Weinstöcke sind die, welche nicht allzu schnell ausschlagen und blühen, aber auch nicht zu spät reifen, unter Kälte, Hitze und Brand nicht leiden, durch den Regen nicht faulen und bei trockener Witterung nicht ver- dorren. Auch wenn diese Traubenarten nur mässig fruchtbar sind, so muss man sie doch zur Weinerzeugung anbauen, falls sie einen vorzüglichen Wein liefern. Ist dies nicht der Fall, so soll man lieber nur fruchtbare Sorten pflanzen, die durch reiche Erträge das auf sie verwandte Kapital gut verzinsen. Da die Rebe sich auf der für sie möglichst günstigen Stelle am vollkommensten entwickelt, so muss man zu erkunden suchen, welcher Boden und welcher Wärmegrad ihr besonders zusagt. S0 pflanzt man Reben, die Nebel und Reif ertragen können, in die Ebene, Stöcke, welche Trockenheit und Wind aushalten, auf die Hügel, für fettes und fruchtbares Land eignen sich nicht starktriebige Sorten, die man in mageren und dürren Boden verpflanzen muss. An feuchten Stellen kommen die Rebstöcke mit zarten Trauben nicht so fort wie die mit kleinen, dickhäutigen Beeren, die voll Kerne sind, während erstere für trockenen Boden sich wohl eignen. Noch mehr als der Boden ist das Klima bei der Auswahl des Satzes zu berücksichtigen. Warme Gegenden erfordern Stöcke mit zarten, grossen Trauben, in kalten und nebligen Landstrichen empfiehlt es sich neben Frühtrauben, die vor Eintritt der kalten Jahreszeit reif werden, auch Stöcke mit starken und harten Beeren anzupflanzen, die im Sommer blühen, aber bei Reif und Frost ebenso wie andere bei der Hitze die Reife erlangen. Sind die Weinberge öfter Hagelwetter ausgesetzt, Sso müssen Reben mit harten und breiten Blättern gepflanzt werden, die den Trauben Schutz gegen die Unbilden der Witterung gewähren können.

Die Vereinigung mehrerer Traubensorten in demselben Rebfelde, die trotz ihrer offenbaren Mängel noch in neuerer Zeit in Frankreich, ltalien, Ungarn und selbst in einigen Teilen Deutschlands so allgemein war, dass für die gemischten Arten die Gesamt- bezeichnung der Satz(le pant, le cep) verbreitet Wwar; ²) wird von Columella lebhaft bekämpft. Mehrfache Gründe werden für die Absonderung der verschiedenen Reb- sorten in getrennte Abteilungen vorgebracht. Da die Stöcke verschiedener Gattung

¹) Varro l, 8; Vergil G II 80 ff; Col. IllI, 1, 2, 20 u. 21; WV, 18, XII, 45. Plin. XIV, 4, 5 u. 8, XII, 35. Palladius III, O. Geoponica V, 2. ¹) von Babo, Der Weinbau, 1855, 2. Aufl. p. 73.