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und die Wurzeln faulen, dagegen fehlt es in trockenem Lande den Pflanzen an Nahrung, sie gehen aus oder verkümmern zum wenigsten. Wie der menschliche Körper eine bestimmte Mischung von Wärme und Kälte, Nassem und Trockenem, Dichtem und Lockerem verlangt, so müssen auch beim Weinlande die entgegen- gesetzten Eigenschaften, wenn auch nicht in gleichen, so doch in bestimmten Ver- hältnissen verbunden sein. Wie die Feld- und Baumfrüchte, 80 schaudert auch die Rebe vor bitterer und salziger Feuchtigkeit zurück, die den Geschmack des Weines verdirbt und das Wachstum der Reben durch ihre schädlichen Wirkungen verhindert.
Unter den dem Weinstocke günstigen Bodenarten nahm die Pullerde(terra pulla) Kampaniens den ersten platz ein. Diese noch heute im Rufe grosser Frucht- barkeit stehende schwarze mürbe Erde besteht aus zersetztem vulkanischem Tuffe. Zur Bearbeitung des lockeren Erdreichs bedurfte es nur der Kraft des jungen Rindes oder des Esels, die vor leichte Pflüge gespannt wurden. Der Kiesel(Silex) hält die Feuchtigkeit zurück, so dass auch bei der Hitze die Wurzeln nicht dürsten können. Doch muss er mit mässiger Erde bedeckt sein, weil sonst die an der Oberfläche liegenden Steine, die im Sommer heiss und im Winter kalt werden, den Reben leicht schaden können. Selbst harter Tuffstein(carbunculus) kann, in Stücke zerschlagen, das Wachstum des Weinholzes fördern. Die auf dem Lande ausgebreiteten Steine ſösen sich durch Frost und Hitze auf, erfrischen dann die Wurzeln der Weinstöcke und behalten den Saft in sich. Kreidiger Boden(cretosa humus) ist dem Weinstocke zuträglich, der Töpferthon(argilla) und der rote Eisenthon(terra rubrica), in dem die Pflanzen nicht leicht Wurzel fassen können, ist ihm dagegen nachteilig. Während weisser Sand(ieiunus sabulo) nicht zu gebrauchen ist, kann schwarzer und rötlicher mit fetter Erde vermischt dem Weinbau dienstbar gemacht werden, wenn unter ihm Tuff oder süsser Thon liegt, die verhindern, dass die Feuchtigkeit zu schnell durchdringt.
Wie man bei der Anlage des Weinberges auf die Eigenschaften des Bodens das Augenmerk zu richten hat, so ist auch in Betracht zu ziehen, nach welcher Himmels- richtung derselbe zu liegen kommt. Die Ansichten der Agrarschriftsteller gehen hierbei sehr auseinander. Saserna hielt die östlichste für die vorteilhafteste, demnächst die südliche, endlich die westliche. Tremellius Scrofa gibt der südlichen den Vorzug, ebenso Vergil, der gleich Palladius die Westlage verwirft, in der nur Sorten gedeihen, die den Thau lieben und deshalb länger behalten. Dass für kältere Gegenden die Südlage die beste sei, wird allgemein anerkannt, ebenso dass in heissen Gegenden die Weinberge nach Norden anzulegen sind, weil der Weinstock die Gluthitze des Südwestwindes(Africus) nicht ertragen kann. So vernichtete in Apulien der atabulus, der sich zur Zeit des Wintersolstitiums erhebt, an den Flüssen und in den Thälern Obstbäume und Weinstöcke, und in den bätischen Küstenstrichen des südwestlichen Spaniens schadeten der Süd- und Südostwind den Weinstöcken so, dass man sie lieber dem Nord- und dem Westwinde(aquilo und favonius) aussetzte. Der aquilo, die heutige Tramontana, der die Luft reinigt und sonniges Wetter bringt, sollte besonders das Wachstum der Reben fördern. Zur Zeit der Schneitelung war der subsolanus, der von Osten oder Südosten warmen Regen brachte, den Weinstöcken günstig. Mago, der für Afrika schrieb, war der Ansicht, dass die nach Norden


